Ausstellungen: New York/Los Angeles · von Jutta Schenk-Sorge · S. 382
Ausstellungen: New York/Los Angeles , 1992

Jutta Schenk-Sorge

Terry Winters

The Museum of Contemporary Art, Los Angeles, 15.9.1991 – 12.1.1992

Whitney Museum of American Art, New York, 14.2. – 3.5.1992

Am stärksten beeindruckt in Terry Winters Arbeiten, mit welch physischer Präsenz und eigenständiger Energie er seine malerischen und zeichnerischen Mittel auflädt. Der Künstler scheint eine geradezu handgreifliche Beziehung zum Farbmaterial zu haben, das sich bei ihm in eine kreative Substanz mit inhaltlicher Aussagekraft verwandelt. „Wir fühlen, wo die Materie beginnt, als Protoplasma, und wo sie endet, als Exkrement“, so formuliert es die Kuratorin Lisa Phillips. Ergänzen kann man, daß wenn die Bilder nicht diese heftig ambivalenten Gefühle von Anziehung und Abstoßung provozierten, manche schlicht zu schön, zu malerisch virtuos erschienen.

Terry Winters bewegt sich in einem Bereich zwischen Abstraktion und Abbildung. Sein Werk, das ein „midcareer survey“ des 43jährigen New Yorkers mit 50 Bildern und rund 100 graphischen Arbeiten jetzt dokumentiert, setzt Ende der 70er Jahre ein. Wie viele, suchte er damals einen Ausweg aus der Begrenztheit rein formaler und intellektueller Kunstübung, ohne jedoch gleich zur Figuration überzugehen. Seinen Ausgangspunkt markieren Arbeiten auf Papier von 1979/80, die „Spine Series“, mit vage geometrischen Formen, denen technische Diagramme des Architekten Frei Otto zugrunde liegen. Es folgen aus Lehrbüchern oder auch aus Karl Bolossfeldts „Urformen der Kunst“ übernommene botanische Darstellungen. Winters geht in seiner Motivsuche immer weiter in der Erdgeschichte zurück bis zu Zellen, Molekülen, Kristallstrukturen als Bausteine des Lebens und der Materie, also in Bereiche, die zwar real, aber gleichzeitig abstrakt sind. Experimente mit Pigmenten und ihren physikalischen Eigenschaften, aber auch ein längerer…

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von Jutta Schenk-Sorge

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