Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Thailand

Navin Rawanchaikul – Paradiso di Navin. Kommissar: Prisna Pongtadsirikul. Kuratoren: Pandit Chanrochanakit, Steven Pettifor. Ort: Paradiso Gallerie, Giardini della Biennale, Castello 1260

Als Sohn indischer Eltern in Thailand aufgewachsen, hat sich Navin Rawanchaikul (geb. 1971) früh mit der Frage (nationaler) Identität auseinander gesetzt. 2006 gründete er die „Navin Partei“, deren Ziel es ist, alle auf der Welt lebenden Navins zu vereinen. Aus dem Projekt entwickelte sich bald ein globales Netzwerk, aus dem letztendlich der virtuelle Staat „Navinland“ entstehen soll. Als Plattform für sein Projekt in Venedig wählte der Thailänder den traditionellen Stützpunkt der Biennale-Besucher: das Café „Paradiso“ am Eingang der Giardini.

Natürlich hat Rawanchaikul auf dem „Paradiso“ die Flagge seines „Navinland“ gehisst. Orientiert an der Flagge der Europäischen Union, zeigt sie ein geflügeltes goldenes Schweinchen und Sterne auf dunkelblauem Grund. Ebenso gestaltet ist der „Pass“, den man sich in einem kleinen „Navinland Checkpoint“ (nach Berliner Vorbild) abholen kann. Rawanchaikul malt sich seinen politischen Traum – in dem er selber immer eine tragende Hauptrolle spielt – im Stil indischer Filmplakatmaler kitschig und bunt. Dabei bedient er sich aus dem Fundus der politischen Ikonographie von Mao bis Uncle Sam, wobei seine Interpretation von Jacques-Louis Davids „Napoleon überquert die Alpen“ auch schon mal seitenverkehrt ausfallen kann.

Speziell für Venedig entstand das große Gruppenportrait „Paradiso di Navin“, in dem sich die vereinten Navins und ihre Freunde zu einer großen Party zusammengefunden haben. Auch die realistische Skulptur „Mission Navinland“, die Initiator Navin fröhlich marschierend mit seiner Tochter darstellt, entstand eigens für die Schau in Venedig. Ergänzend werden weitere…

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von Susanne Boecker

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