Ausstellungen: Köln , 1999

Uta M. Reindl

Tokyo Shock

Köln im September

Während das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst die Schätze des buddhistischen Todaiji-Tempels aus Nara vorstellte, machte „Tokyo Shock“ gleich an elf Orten der Stadt auf junge Kunst aus Japans jetziger Kapitale aufmerksam. Vierzehn Künstler – die meisten von ihnen wurden in den sechziger Jahren geboren – beteiligten sich an der stadtgreifenden Veranstaltung in Galerien und Non-Profiträumen. Kuratiert hatte „Tokyo Shock“ die Kunsthistorikerin Michiko Ogura, sie ist ein Mitglied der japanischen Initiative „Art Work International Tokyo“, die sich seit einigen Jahren für den Kunst- und Künstleraustausch mit anderen Ländern engagiert.

„Tokyo Shock“ präsentierte eine relativ breite Auswahl von künstlerischen Positionen, die kaum mehr japanische Klischees bedienen, schon gar nicht den im Ausstellungstitel angesprochenen Schock bescheren wollte. Natürlich assoziierten die aus Filterpapier arrangierten Bilder oder Bildkästen von Kiyomi Kaneko (1954) mit der hierzulande geschätzten Subtilität japanischer Ästhetik. Vielleicht auch die Polstergemälde von Ken-Ichi Ogawa (1969), die aus weißem Farbgrund jedes Mal mittenzentriert einen stilisierten Damenslip auf zartfarbenem Stoff erscheinen ließen. Die Fotoarbeiten Chie Yasudas (1962) von Möbel- und Architekturdetails wirkten dagegen in ihrer Bildsprache geradezu westlich, wenn man das überhaupt sagen darf.

Ähnlich wie hierzulande jedenfalls favorisierten auf dieser von dem Kölner Galeristen Norbert Görtz koordinierten Veranstaltung die meisten der Künstler die Installation als Genre: Auf sehr poetische Weise hatte Tsuneo Shimano (1968) eine seiner tagebuchartigen Zeichnungen in eine raumgreifende Metapher umgesetzt.

Chelin (1967), die in Japan eher für ihre den Geschmacks- und Geruchssinn ansprechenden Eat Art Skulpturen bekannt ist, präsentierte ein reduziertes Bodenobjekt aus dicht ineinander geschichteten Büscheln von…

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von Uta M. Reindl

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