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Ausstellungen: Wien · von Dieter Buchhart · S. 403 - 403
Ausstellungen: Wien , 2000

Dieter Buchhart
Udo Wid

»Synergie der Disziplinen: Brainprints«
Secession, Wien, 7.10. – 18.11.1999

Vierzig Tage lang arbeitete und lebte Udo Wid in der Wiener Secession. Der Wiener Künstler übertrug dabei seinen tatsächlichen Wohn- und Arbeitsbereich in die ehrwürdigen Kunsträumlichkeiten. Seine Bücherregale aus rohem Kieferholz ließ er ebenso wie seine Rolltische, sein Bett, seine Bücher, seine Aluminiumkoffer, seine Kleidung und sein technisches Equipment in den Kunstraum transportieren. Nüchtern baute er seine gewohnte, reale Lebenssituation auf, wobei er das Tageslicht durch Neonröhren ersetzte. Auf eine kunstvolle, dramatische Inszenierung verzichtete er.

Der Übergang von der Kunstszene in den privaten Alltag stieß an eine Tabugrenze. Das Kunstpublikum war von dieser Vermischung von Alltag und Kunst gleichzeitig begeistert und verstört. Wid stand den Kunstinteressierten rund um die Uhr zur Verfügung. Die Glocke am rechten Seiteneingang führte direkt in seinen Wohnbereich, der ebenfalls durch eine Tür und Klingel vom Ausstellungsbereich abgegrenzt war. Wer die physischen Barrieren überwunden hatte, erfuhr nicht nur mehr über Wids Alltag, sondern wurde auch zur Messung der eigenen Gehirnströme eingeladen. Die Besucher legten sich auf sein Bett, und nachdem Wid sorgfältig die Stirn von allen Fettresten gesäubert und die Elektroden angebracht hatte, maß er die Gehirnströme. Mittels komplexer mathematischer Transformation ergaben sich am Computer musterartige Diagramme, die ähnlich wie Fingerabdrücke persönlichkeitsspezifisch sein sollen. Der Künstler nennt sie „Brainprints“. Mit dem Projekt sucht der studierte Biophysiker Wid eine Forschungsarbeit zu realisieren, bei der persönlichkeitsspezifische Muster im Elektroencephalogramm (EEG) nachgewiesen werden sollen – eine wissenschaftliche Neuheit. Wid distanziert sich jedoch vom institutionellen Rahmen des wissenschaftlichen Forschungsbetriebes, da…



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