Ausstellungen: Berlin · von Peter Herbstreuth · S. 404
Ausstellungen: Berlin , 1996

Peter Herbstreuth

Ull Hohn

Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 8. – 25.2.1996

Ein großes Werk ist es nicht geworden, ein ausgreifendes schon. Und es war bereits erkennbar, wohin es sich richtete, als der in Berlin geborene Ull Hohn am 26. November 1995 im Alter von 35 Jahren starb. Er hatte sich gerade erste öffentliche Anerkennung erworben, war Stipendiat des begehrten Whitney Programms New York, wurde mit dem akzeptabel dotierten Stipendium der Philip Morris Kunstförderung ausgezeichnet, konnte sich auf beachtete Ausstellungen in den besseren der New Yorker Galerien und den werkbegleitenden Kritiker Manfred Hermes in Köln stützen. Hermes hatte nun Ull Hohns erste posthume Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien, Berlin, eingerichtet.

Der Kritiker David Rimanelli erkannte in Ull Hohns Werkschau bei American Fine Arts New York aufschlußreiche Qualitäten der Amateurmalerei. Wenn sogar technisch hochversierte Künstler auf dem Kunstmarkt kaum noch Punkte machen könnten, schrieb Rimanelli sardonisch, dann könne man sich auch als Sonntagsmaler bescheiden und einfach zu seinem Vergnügen malen. Das war nicht boshaft gemeint. Es war die Perspektive eines Kontextkritikers angesichts Ull Hohns Malerei. Manfred Hermes, der dieselbe Ausstellung bespricht, erläutert diese Perspektive. Hohns Malerei sei uneigentlich. Sie führe die Entwicklung eines Malers vom Amateur über den Studenten bis zum Profi vor. Seine Malerei, so muß man folgern, ist also von vornherein inszeniert. Jeder Strich ist die vollzogene Handbewegung eines Rollenspielers. Und so wie ein Imitator auch Fehler imitiert, imitiert Ull Hohn Patzer und Unzulänglichkeiten. Was aber heißt hier „Fehler“? Welche Maßgabe definiert sie? Und waren denn präzise gesetzte Abweichungen nicht immer schon erhellender als die Erfüllung…

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