Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 429
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1998

Christian Huther

Vance Kirklan

Retrospektive

Kunstverein, Frankfurt/Main, 17.6. – 26.7.1998

In den letzten Lebensjahren schwebte er regelrecht über seinen großen Gemälden, um selbst das Gefühl zu erleben, das er mitteilen wollte. An den Balken seines Ateliers befestigte er vier Gurte, die einen halben Meter über den Bildern hingen, legte sich bäuchlings hinein, schaukelte und schaute, malte und tupfte. Die pulsierenden und an die Op-Art erinnernden Bilder stellen den Höhepunkt seines umfangreichen Werkes dar. Dabei war der abstrakte Expressionist Vance Kirkland (1904-1981) schon Mitte der 50er Jahre in seiner amerikanischen Heimat in Vergessenheit geraten, in Europa ist er so gut wie gar nicht bekannt. Der Frankfurter Kunstverein widmete ihm im Sommer die erste Retrospektive hierzulande. Peter Weiermair, der die Schau noch für seine alte Wirkungsstätte organisierte und damit eine wichtige, längst überfällige Entdeckung feierte, spricht zu Recht in seinem Katalogbeitrag von einer „neubarocken Position“ im Kreis des abstrakten amerikanischen Expressionismus.

Kirkland begann als Landschaftsrealist, wie frühe Arbeiten der 30er Jahre in der Retrospektive zeigten. Aber die Phantasie schlich sich immer stärker ins Bild und schlug rasch in einen surrealistischen Stil um, mit dem Kirkland berühmt und gefragt wurde, stellte er doch mit Max Ernst, Magritte, Tanguy, Miró und Dalí aus. Kirkland malte auch deshalb keine Landschaftsansichten mehr, weil sie ihm langweilig wurden und die Berge „klein und unwichtig“ machten: „Ich schaute direkt auf den Boden zu meinen Füßen und entdeckte faszinierende Auslagen von Steinen, totem Holz und Pflanzen. Dieser Blickwechsel stimulierte meine Einbildungskraft.“ Fortan huldigte der in Denver, vor der imposanten Gebirgskulisse von Colorado wohnende Künstler…

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