Ausstellungen: Den Haag · von Amine Haase · S. 370
Ausstellungen: Den Haag , 1996

Amine Haase

Virtuose des Lichts Vermeer

Mauritshuis, Den Haag, 1.3. – 2.6.1996

Zum Sterben schön: die Bilder des Johannes Vermeer. Der große Sucher nach der verlorenen Zeit, Marcel Proust, läßt auf den Seiten 186 und 187 des dritten Bandes der Pléiade-Ausgabe von „A la recherche du temps perdu“ den Schriftsteller Bergotte vor Vermeers „Ansicht von Delft“ tot zusammenbrechen. Vor seinem Tod reflektiert Bergotte über eine „kleine gelbe Mauerfläche“, die Vermeers Delft-Panorama in ein ästhetisches Lehrstück verwandelt – und das Bild in einen Mythos. Der kleine Bildausschnitt, das Stückchen Malerei in Gelb, wird als Beispiel für eine Kunst beschrieben, die „sich selbst genügt“. Und der Schriftsteller kann noch wehmütig denken: „So hätte ich schreiben sollen“, bevor er stirbt.

In die Pariser Ausstellung, zu der das Haager Mauritshuis „das schönste Gemälde auf der ganzen Welt“ – so Proust an anderer Stelle – ausgeliehen hatte, war Bergotte durch eine Kritik gelockt worden. Und: „Dank des Artikels des Kritikers bemerkte er zum ersten Mal die kleinen blau gekleideten Personen, daß der Sand rosa war, und schließlich die kostbare Materie des kleinen gelben Mauerstücks.“ Die Beschreibung der Kunst, ihre Wirkung auf den sensiblen Amateur und der finale Seufzer des Poeten ist von den Proust-Exegeten als Sehnsucht nach Perfektion und Vollendung im Nichts gedeutet worden. Ja, als „Gottes-Ruf“: Die Kunst ersetze bei Proust die „abwesende Idee Gottes“.

Diese Sehnsucht nach Gott-Ähnlichem möchte man fast auf die Ausstellung übertragen, die im Haager Mauritshuis 22 Bilder von Vermeer vereint. Was sonst könnte die Kunstfreunde in solcher Anzahl bewegen, sich die überschaubare Zahl von…

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