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Gespräche mit Kunstvermittlern · von Ingo Arend · S. 411 - 415
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1996

»Wer den Markt ignoriert, kommt darin um«

INGO AREND SPRACH MIT CHRISTOPH TANNERT VOM BERLINER KÜNSTLERHAUS BETHANIEN AUF DER 29. ART COLOGNE 1995 ZUM DAUERBRENNER KUNST UND MARKT

Christoph Tannert, geboren 1955 in Leipzig (Sachsen), lebt seit 1976 in Berlin. 1976-1981 Studium der Archäologie und Kunstwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin. 1981-1984 Sekretär der Zentralen Arbeitsgruppe Junger Künstler beim Zentralvorstand des Verbandes Bildender Künstler der DDR. 1984 fristlose Entlassung. 1984-1990 freiberuflich als Kritiker und Ausstellungsmacher in Berlin und Osteuropa tätig. Herausgabe von Künstlerbüchern, Musikcassetten und Schallplatten im Selbsthilfeverlag URSUS PRESS. 1990 zeitweilige Galerietätigkeit. Mitbegründer der Galerie Vier in Berlin. Seit 1991 Projektleiter am Künstlerhaus Bethanien Berlin.

*

I. A.: Christoph Tannert, jedes Jahr im Herbst pilgern die Kunstjünger auf den Kölner Kunstmarkt wie die Gläubigen nach Mekka, als ob sie hier eine Offenbarung erwartete. Wie erklären Sie sich dieses merkwürdige Phänomen?

Ch. T.: Man muß nicht unbedingt mitpilgern. Und kann trotzdem dabeisein. Man kann als Beobachter, als Kritiker, als jemand, der die Messe als Schnittpunkt für Kontaktanbahnung sucht, auf den Markt gehen. Ich amüsiere mich immer darüber, wie die Geldsäcke wie die Schaufelradbagger rotieren. Das ist schon genügend Amüsement. Ob man dann auch noch dazu kommt, über Kunst zu sprechen, ist eine andere Angelegenheit. Ich habe häufig das Gefühl, Köln und die Narren, das ist alles eins. Aber es erheitert. Übrigens: Wer den Markt ignoriert, kommt darin um.

„Ich bin gegen die Messen“, sagt selbst so ein bekannter Galerist wie der diesjährige Art Cologne-Preisträger, der Berliner Galerist Rudolf Springer. „Man erfährt nicht das, was…

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