Titel: Urban Performance I , 2013

2-3 Straßen

Ein Gespräch mit Jochen Gerz

Bereits in den frühen Performances von Jochen Gerz blieb der Rezipient nicht nur passiver Zuschauer, er wurde in einen interaktiven Prozess involviert, der ihm seine Rolle als Handelnder, aber auch als Nicht-Handelnder bewusst machte. Immer wieder agiert Gerz im öffentlichen Raum. Ein, fast ist man geneigt zu sagen, Performance-Klassiker, der das Verhältnis von Bild, lebendiger Person und Öffentlichkeit reflektiert, ist seine öffentliche Selbstausstellung neben seiner „fotografischen Reproduktion“. Mit dem von ihm zusammen mit Esther Shalev-Gerz entworfenen Harburger „Mahnmal gegen den Faschismus“ gab Gerz der Denkmaldebatte eine neue Wende: Er überantworte das Politische, das sich als Verpflichtung aus der Vergangenheit ergibt, an die Öffentlichkeit und brachte das Denkmal als materiales Objekt zum Verschwinden. In diesem Zusammenhang ist nun auch seine „Ausstellung 2-3 Straßen“ zu sehen. Kunst und Öffentlichkeit verweben sich. Kunst ist hier nicht mehr länger ein Produkt des singulären Künstlers, sondern der Teilnehmenden. Die Bewohner der Stadt werden zu Produzenten des Kunstereignisses Stadt.

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Heinz Schütz: Mit Ihrer Ausstellung „2-3 Straßen“ wurde im Jahr 2010 in drei Städten des Ruhrgebiets eines der außergewöhnlichsten und gleichzeitig alltäglichsten Kunstprojekte realisiert. Menschen aus Deutschland und dem Ausland wurden eingeladen, Teilnehmer der Arbeit zu werden. Für ein Jahr konnten sie in Dortmund, Duisburg und Mühlheim in von den Städten ausgewählten, „sozial problematischen“ Straßen mietfrei wohnen, um als Gegenleistung an einem kollektiven Text zu schreiben. Ausgestellt wurden drei ganz gewöhnliche Straßen und alles, was sich in ihnen abspielt. Da Kunst hier identisch wird mit dem realen Handeln der Stadtbewohner, würde ich gerne,…

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von Heinz Schütz

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