Titel: Urban Performance I , 2013

Warten, Rennen, Küssen

Gespräch mit Jiří Kovanda über seine Straßenperformances im Prag der Siebzigerjahre

Seit über mehr als einem Jahrzehnt finden die frühen, äußerst reduzierten Performances Jiří Kovandas, insbesondere von einer jüngeren Generation von Künstlern, Kuratoren und Flash- mobern, große Beachtung. Kovanda agierte in den Siebzigerjahren im Stadtraum von Prag, der seit der Niederschlagung des „Prager Fürhlings“ wieder unter sozialistischer Kontrolle stand. Die Subtilität seiner Aktionen macht sie von Alltagshandlungen nahezu ununterscheidbar und doch überschreitet Kovanda soziale Verhaltensgrenzen und erweist dabei, wie das im öffentlichen Raum angelegte kommunikative Versprechen eigentlich ständig gebrochen wird.

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Heinz Schütz: Mir ist bewusst, dass Sie sich nicht als politischer Künstler begreifen und Ihre Arbeiten auch nicht explizit politisch sind, die Situation allerdings, in der Ihre frühen Performances in den Siebzigerjahren entstanden, ist durchaus politisch brisant. Sie agierten im Stadtraum von Prag. Der öffentliche Raum wurde damals von der sozialistischen Regierung kontrolliert und es war riskant dort ohne Genehmigung aufzutreten.

Jiří Kovanda: Die Frage nach dem Politischen wird mir oft gestellt, und Sie haben recht, ich bin kein politischer Künstler. In den Siebzigerjahren stand für mich eher Psychologisches und Persönliches im Vordergrund. Mir ging es um Kontakte und Beziehungen zwischen einzelnen Personen, zwischen mir und den fremden Anderen um mich herum und dies beschäftigte mich mehr als politische oder soziale Probleme.

Die spezielle Prager Situation, hatte sie Einfluss auf Ihre Arbeit?

Natürlich hatte sie auch damit zu tun und die politische Dimension spielte zweifellos auch eine Rolle, sie stand aber nicht im Vordergrund. Die von mir erzeugten Situationen waren sehr kurz und…

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von Heinz Schütz

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