Titel: Urban Performance I , 2013

Sophie Wolfrum

Performativer Urbanismus

In der Urbanistik und im Bereich der Stadtplanung wurde in letzter Zeit zunehmend das Performative der Architektur akzentuiert. So betrachtet liefert das auf eine gewisse Dauer angelegte architektonische Stadtgefüge nicht einfach nur den urbanen Handlungsrahmen für Performances und künstlerische Interventionen, sondern die Architektur selbst trägt das Performative in sich. „Urban Performance“ heißt, so gesehen, nicht Performance in der Stadt, sondern Stadt als Performance. Sophie Wolfrum, die an der Technischen Universität München den Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung innehat, hat sich in ihrer Forschung, in Lehrveranstaltungen, Schriften und Symposien mit dem „performativen Urbanismus“ auseinandergesetzt. Im Gespräch mit ihr geht es darum, das Performative der Stadt näher zu erkunden.

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Heinz Schütz: Der Begriff des Performativen wurde in den Sechzigerjahren in der Sprechakttheorie entwickelt. Eine spezifische Bedeutung erhält er in der Performance Art im Bereich der Kunst. Er spielt dann zunehmend in der Theatertheorie eine Rolle, um in den Neunzigerjahren als „performative turn“ in die Kultur- und Sozialwissenschaften einzufließen. Welche Bedeutung kommt dem Performativen in der Architektur zu?

Sophie Wolfrum: Um das Performative der Architektur zu verstehen, kann ein Vergleich mit der Theatertheorie hilfreich sein. Die Theatertheorie rückt die Aufführung und die Bühne ins Zentrum, Performativität basiert auf dem Zusammenwirken von Darsteller und Zuschauer in der Situation der Aufführung. Anders nun in der Architektur: Hier gibt es den Architekten, den Entwerfer, es gibt die Architektur als Materie, als gefrorenen Raum gewissermaßen, und es gibt die Aktivierung dieses Raumes in der Benutzung und hier könnte man nun durchaus eine gewisse Analogie zur Aufführung…

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von Heinz Schütz

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