Titel: Transformation und Wiederkehr , 1988

Hanne Weskott

50 Jahre Haus der Kunst

50 Jahre ‚entartete Kunst’Am 18. Juli 1937 wurde in München nach vierjähriger Bauzeit das Haus der Deutschen Kunst feierlich eingeweiht. Gleichzeitig wurde mit einem Festzug der Tag der Deutschen Kunst begangen. Viel Volk war unterwegs, als die Zeugnisse deutscher Kultur in Form von Attrappen und Nachbildungen von historisch gekleideten Menschen durch die Straßen München getragen wurden.1

Die Große Deutsche Kunstausstellung, die erste im neuen Haus war als echter Höhepunkt, ein Akt der Selbstdarstellung des Reiches, gedacht. Das Gerangel um ihr Zustandekommen zeigt allerdings, wie unsicher selbst führertreue Künstler und Kunstfunktionäre waren, wenn es galt, Kunstwerke auszuwählen, in denen sich das „besondere deutsche Wesen“ ausdrückt. Hitler jedenfalls soll bei der Vorbesichtigung am 5. Juni getobt haben. Mit der nach seinen Vorstellungen gereinigten Schau war er dann sehr zufrieden.

Am nächsten Tag wurde die Schandausstellung „Entartete Kunst“ in den Galeriegebäuden am Hofgarten eröffnet. Die Rede hielt diesmal der von den Nazis zum Akademieprofessor ernannte Präsident der Reichskammer der bildenden Künste Adolf Ziegler.2

Der 50. Jahrestag dieser Ereignisse fand im heutigen Haus der Kunst einfach nicht statt. Im Ostflügel lief wie immer um diese Zeit die Große Kunstausstellung, der Westflügel, Sitz der Staatsgalerie moderner Kunst, war wegen Bauarbeiten geschlossen. Nur gut, daß wenigstens einigen Studenten der Kunstakademie eine Aktion eingefallen war. Sie hatten diese allerdings – aus welchen Gründen auch immer – zeitlich weit vorverlegt. Ein anderer Arbeitskreis, ein kunstgeschichtliches Seminar der Akademie, hatte immerhin ein Papier erarbeitet, das den Titel „Der tödliche Schrecken darf nicht zum postmodernen Nervenkitzel verkommen!“ trägt….

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