Gespräche mit Künstlern · von Florian Rötzer · S. 206
Gespräche mit Künstlern , 1988

Alfred Hrdlicka:

… viel mehr als bildende Kunst haben die Menschen ja nicht erfunden.

Ein Gespräch mit Sara Rogenhofer und Florian Rötzer
zum 60. Geburtstag

Alfred Hrdlicka, geb.1928, lebt in Wien und ist seit1986 Professoren der Berliner Hochschule der Künste. Nach seinem Studium der Malerei und der Bildhauerei – bei Fritz Wotruba – wurde Hrdlicka erst in den sechziger Jahren bekannt und ist heute wohl einer der populärsten Künstler Österreichs geworden. Seine gegenständlichen Skulpturen und Zeichnungen sind Reflexionen und Veranschaulichungen der Zeitgeschichte, die meist um das Thema der Gewalt kreisen. Seine künstlerische Arbeit steht im Zusammenhang mit seinem unermüdlichen politischen Engagement. Die Aufklärung der Hintergründe des Faschismus steht dabei im Vordergrund. So hat er beispielsweise gegen Kurt Waldheim, den „Gedächnisschwundler“, ein Pferd bauen lassen, das ihn seitdem immer verfolgt. Auch sonst, etwa beim von Alfred Hrdlicka gebauten Wiener Mahnmal gegen den Faschismus am Albertinaplatz, sorgen seine künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum für Provokation.

Die Kunstproduktion scheint heute beliebiger denn je geworden zu sein, auch wenn sich kurzfristig immer wieder Trends und Revivals etablieren. Gibt es denn noch ästhetische Kriterien, die für Ihre Arbeit bindend wären?

Bindende ästhetische Begriffe wären eine Einschränkung. Ich unterscheide zwischen Kunstbetriebskunst und bildender Kunst. Natürlich ist die Kunstbetriebskunst immer mit dem Anspruch parat, daß sie zeitgenössische Kunst ist, aber je länger man sich das anschaut, desto mehr kommt man darauf, daß das Organisieren und Veranstalten von Kunst die Bildnerei pervertiert. Das erfährt man besonders, wenn man Projekte erarbeitet. Das Entscheidende sind dann die organisatorischen Begriffe. Ich habe beispielsweise an der Ausstellung…

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