Ausstellungen: Berlin , 1988

Marius Babias

Künstlergruppe Atelier III

Freie Berliner Kunstausstellung, 3.4. -1.5.1988

Über die Berliner Kunstszene als Gesamtereingnis zu berichten, lohnt nicht. Denn die überwiegende Mehrzahl der über 2000 Exponate (auf 8900 qm in den Messehallen am Funkturm) ist Hobbymalerei und allenfalls unter einem populistischen Aspekt diskutabel. Allerdings nehmen in den letzten Jahren immer mehr professionelle Berliner Künstler die Gelegenheit wahr, um sich unters Volk zu mischen. Diesmal etwa Fred Thieler, Johannes Grützke, Raffael Rheinsberg und ter Hell.Von den jüngeren Künstlern hat dieses Jahr die Gruppe ATELIER III Aufmerksamkeit auf sich gelenkt; sie greifen mit ihren Arbeiten über Berlin hinaus in die aktuelle Kunstdiskussion ein. Stichworte sind „Appropriation“ und „Realkunst“. Der Diskussionsbeitrag der ATELIER III-Gruppe könnte mit dem Begriff ‚Skeptizismus‘ beschrieben werden.

Skeptizismus: Das ist die den Zweifel zum Denkprinzip erhebende und die Möglichkeit einer Erkenntnis der Wirklichkeit verneinende Philosophie. Gewöhnlich endet eine solche Geisteshaltung in Selbstbejammerung und Weltschmerz. Die Künstlergruppe ATELIER III (das Atelier befindet sich im 3. Stockwerk eines Gewerbehofs in Berlin-Moabit, und die Namensgebung weist eine ähnliche Bezeichnungsstruktur unprätentiös/präzis auf wie die Ausstellungsstücke selbst) entgeht dieser Gefahr spielerisch und spielend leicht. Die Künstler verknüpfen eine wahrnehmungskritische und auch selbstkritische reflexive Haltung mit Zweifeln an der Kunstproduktion und deren ästhetischen wie pragmatischen Verfahren überhaupt. Das Kunstprodukt kann dabei als reflektorische und als ästhetische Anschauung dessen betrachtet werden, Kunst und ihre Kritik zugleich. Die Balance beider Pole stellt dabei das skeptische Profil her. Ohne diese Balance würde das Unprätentiös/präzis-Paradigma einem Wechsel zu aporetisch/redundant unterliegen, aus Skeptizismus würde Bejammerung werden.

Ironischerweise haben, bis auf Martin Figura, die…

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