Gespräche mit Künstlern · von Karlheinz Schmid · S. 217
Gespräche mit Künstlern , 1988

Klaus Staeck:

Ich werde mich weiter kräftig einmischen.

Ein Gespräch mit Karlheinz Schmid

Zwanzig Jahre nach 1968 wird Klaus Staeck 50 Jahre alt. Grund genug, Zwischenbilanz zu ziehen. Wie hat sich das politische Klima im allgemeinen und speziell im Werk von Klaus Staeck verändert?

Ich habe mich nie mit der Beschreibung des jeweiligen politischen Klimas zufrieden gegeben, sondern immer versucht, es zu beeinflussen, mitzugestalten. Ein Großteil der 68er Hoffnungen und Illusionen war schon Anfang der 70er Jahre verflogen. Außerdem waren die heute so glorreich umsungenen 68er Zeiten die kunstfeindlichsten, an die ich mich erinnern kann.

Das mußt Du erläutern.

Die Beschäftigung mit Kunst jeglicher Art galt als dekadenter bürgerlicher Zeitvertreib. Trotzdem entstand in der Folgezeit nach der muffigen Adenauer-Ära ein Klima liberaler Offenheit, ein Aufbruch in Richtung demokratischer Gesellschaft, die sich viele selber erarbeiten wollten. Mit Beginn der Kohl-Zeit – die ich immer noch auch als kulturelles Versagen empfinde – kam zunächst die Zeit der großen Resignation, die in einem Meer von Beliebigkeit dahin weint. Viele Anzeichen deuten allerdings darauf hin: Das Tal der Tränen scheint durchschritten. Das Engagement gegen den reaktionären Mief, in dem wir zu versinken drohten, nimmt erkennbar wieder zu.

Wie sieht Dein Beitrag aus?

Meine Arbeiten waren nie Wetterfahnen des Zeitgeistes. Wenn man sich der Aufklärung verschreibt, braucht man einen langen Atem, und den habe ich. Für alle Formen von Anpassung und Opportunismus bin ich völlig unbegabt. Das kann man deutlich an meinen Arbeiten ablesen.

Die Gratwanderung zwischen Kunst und Politik scheint mitunter auch zu einer Heimatlosigkeit zu führen. Das entwürdigende Gerangel um Standplätze auf…

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