Gespräche mit Künstlern , 1988

Rupprecht Geiger:

Rot ist die Farbe unseres Planeten

Ein Gespräch mit Heinz Schütz zum 80. Geburtstag

Rupprecht Geiger gehört nach Kriegsende zu den ersten Künstlern in Deutschland, die als entschiedene Verfechter der von den Nazis denunzierten Moderne an die Öffentlichkeit treten. Bereits 1949 findet Geiger zu Bildformaten, die – unter anderen Vorzeichen – in der amerikanischen Malerei der sechziger Jahre „shaped canvases“ genannt werden. Die Anerkennung der amerikanischen Malerei als mehr oder weniger verbindliches Kunstaparadigma, trägt denn auch dazu bei, etwas von der Geiger gebührenden Aufmerksamkeit zu absorbieren. In Geigers Auseinandersetzung mit einem Thema – der Farbe -, die ihm in einem zunehmenden Läuterungsprozeß identisch wird mit Rot, zeigt sich eine künstlertische Haltung derKonzentration und des Insistierens auf dem Essentiellen. Sie steht in krassem Gegensatz zur allgemeinen Zerstreuheit der Konsum- und Warenwelt und den Beliebigkeiten der sich anbahnenden Totalsimulation.
Jüngst feierte Geiger seinen achtzigsten Geburtstag. Drei Münchener Ausstellungen eröffnetem aus diesem Anlaß. die Galerie Wassermann mit Geigerscher Druckgraphik – darunter die einzigen Radierungen Geigers -, die Galerie Storms mit wenigen, aber ausgewählten Arbeiten – darunter drei kaum bekannte Bilder mit äußerst subtilen Graumodulierungen – sie evozieren trotz deren offensichtlicher Abwesenheit Farbe. Eine Retrospektive der Staatsgalerie vergegenwärtigt Geigers künstlerische Entwicklung, die er selbst in vier Phasen einteilt: „Erste Zeit bis 1957“ – sie setzt ein mit den von russischen und griechischen Landschaften inspirierten Abstraktionen und der Gründung der Gruppe „Zen 49 „-, „Zweite Zeit bis 1965“ – archetypische Formen treten an die Stelle kompositioneller Vielfalt und setzen die Farbe frei -, „Dritte Zeit bis…

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von Heinz Schütz

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