Ausstellungen: Dortmund · S. 256
Ausstellungen: Dortmund , 1988

Claudia Posca

Stellproben

Guillaume Bijl, Luc Deleu, Stefan Demary, Ange Leccia

Museum am Ostwall, 24.4. -12.6.1988

Hinter dem Titel „Stellproben“ verbirgt sich eine Ausstellung, die Beachtung und Beifall verdient. Ausstellungsort ist das Museum am Ostwall in Dortmund. Vier Künstler, Guillaume Bijl, Luc Deleu, Stefan Demary und Ange Leccia werden hier vorgestellt. Alle Künstler arbeiten im Bereich der ready-made-art, was jedoch nicht bedeutet, daß sie gleiche oder ähnliche Dinge machen. Der Spannungsbogen reicht von konzeptueller Objekt-Kunst bei Guillaume Bijl über eine Objektkunst-Ästhetik Duchampscher Abstammung bei Luc Deleu und Ange Leccia bis hin zu ironischen Manipulationen der Wirklichkeit bei Stefan Demary. Im Unterschied zur documenta 8, wo ObjektKunst vor allem unter dem spektakulären Aspekt der Inszenierungsmöglichkeiten abgehandelt wurde, ist – Dortmund ungleich eher möglich, Objekt-Kunst nicht als Theater zu betrachten, sondern als das, was sie ist: Kunst zwischen Museum und Alltag. Dies hängt zugleich damit zusammen, daß diese Ausstellung keinen Globalanspruch erhebt, wohl aber exemplarisch vier Künstler vorstellt, deren unterschiedliche Arbeitsweise den Facettenreichtum von ready-made-art andeutet, nicht jedoch ausbeutet. Dabei thematisiert die Ausstellung „Stellproben“ ein polares Spannungsfeld, das den Widerspruch zwischen Kunst und Alltag und damit die Entgegensetzung von Autonomie und Funktionalität betrifft. Im Objekt-Kunstwerk ist dieser Gegensatz zur dialektischen Spannung synthetisiert. Dinge, die dem Alltag und dessen sozial-kulturellem Umfeld entnommen wurden, um sie künstlerischen Zwecken entsprechend einzusetzen, bleiben stets rudimentäre Alltags-Realitäten und dies, obwohl sie auch den Autonomieansprüchen des Kunstwerks, das sie geworden sind, entsprechen. In diesem Sinne reaktualisiert das Museum am Ostwall in dezidierter Weise ein künstlerisches Spannungsverhältnis, das an Brisanz bis heute und…

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