Ausstellungen: Paris , 1988

Amine Haase

Die Wollust des Malens

Degas und Fragonard

Degas: Paris, Grand Palais, 13.2. – 16.5.1988
Ottawa, Musée des Beaux Arts du Canada, 16.6. – 28.8.1988
New York, Metropolitain Museum, 27.9.1988 – 8.1.1989
Fragonard:Paris, Grand Palais, 24.9.1987 – 4.1.1988
New York, Metropolitain Museum, 2.2. – 8.5.1988

Eine gespannt lauschende, fasziniert gestikulierende Menschenmenge vor einer steil aufsteigenden Bühne mit stufenartig übereinander gelagerten Spielpodesten. Auf der unteren Stufe eine Frau, die sich graziös zum Publikum herunterbeugt und ihm mit leicht vorgebeugtem Oberkörper etwas entgegenhält. Ganz oben steht ein in pathetisch fallende Draperien gehüllter Mann, einen spitzen Hut auf dem Kopf und die Rechte hoch erhoben, mit einem Stock zum Himmel weisend: „Der Quacksalber“, gemalt in den späten sechziger oder frühen siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts von Jean-Honoré Fragonard.Ein großer Saal, dessen Weitläufigkeit durch einen Spiegel in einem von Pilastern gerahmten Portikus noch unterstrichen wird, und dem allein ein Deckenfries Halt zu geben scheint. In der feierlichen Architektur herrscht unerwartete Bewegung: Biegsame Balletteusen dehnen ihre Glieder vor dem wachsamenLehrer. EdgarDegas malte das „Foyer de la danse à l’Opéra“ 1872.

Etwa hundert Jahre liegen zwischen der Entstehung der beiden Bilder. Und Welten scheinen die Maler Fragonard und Degas voneinander zu trennen. Zwei zeitlich aufeinanderfolgende Ausstellungen in Paris (und New York) haben jetzt jedoch deutlich gemacht, daß diese zwei malenden Poeten einander näher sind, als unsere Schulweisheit uns einreden will. Die vergleichende Anschauung nämlich konnte zu Erkenntnissen führen, die über die üblichen Zuordnungen zum Impressionismus – ein früher Vorläufer und ein Zeitgenosse der „Freiluftmaler“ um Monet, Pissarro, Sisley – hinausgehen….

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