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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 319 - 319
Ausstellungen: Düsseldorf , 1990

Claudia Posca
Accrochage für Tatlin

Kunsthalle, 28.11.1989-28.1.1990

1989 war ein Jahr, das historische Ereignisse feierte und Geschichte selbst niederschrieb. Im Jahr der 200jährigen Wiederkehr der Französischen Revolution besinnt sich Europa auf Freundschaft und Zusammenarbeit, Gorbatschow steht für Glasnost und Perestroika ein, und in Berlin fällt die Mauer. All dies hat Konsequenzen für Kunst und Kultur Westeuropas. Das zeitgenössische Kunstinteresse hierzulande nimmt zunehmend mehr Anteil an dem, was von „drüben“ kommt, und zeigt ernsthaftes Interesse vor allem an dem, was als Kunst Osteuropas auf den Markt drängt.

Als man in Düsseldorf im Rahmen des dreitägigen internationalen Symposiums „Vladimir Tatlin. Leben, Werk, Wirkung“ die Ausstellung „Accrochage für Tatlin“ vorbereitete, konnte man schon eine Ahnung vom Bedeutungszuwachs der osteuropäischen Kunst haben, zumal die westliche Kunstgeschichtsschreibung den russischen Avantgardisten große Bedeutung beimißt. Zumindest in kunsthistorischer Hinsicht bedeutet dementsprechend die Ausstellung „Accrochage für Tatlin“ nichts aufregend Neues, wenn sie nach dem Stellenwert Tatlins für zeitgenössische Künstler fragt. Dagegen scheint dies in populärer Hinsicht durchaus begrüßenswert und stets bleibend notwendig. Die Frage aber bleibt doch, warum erst jetzt eine solche Ausstellung stattfindet, warum es eine „Accrochage für Tatlin“ erst in jenem Augenblick gibt, in dem die Ausstellungspolitik nur als Reaktion auf gesellschaftspolitische Ereignisse erscheinen kann. Dennoch und vielleicht gerade weil dies so ist, ist eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Kunst Osteuropas notwendig und wichtig. Darauf insistiert die Ausstellung zu Ehren Tatlins zu Recht.

„Accrochage für Tatlin“ zeigt 14 Werke von 11 zeitgenössischen Künstlern, die sich auf Tatlin berufen. Kunsthistorisch arbeitend, deckt die Frage nach der Art und Weise dieses Bezugs…


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