Ausstellungen: Berlin , 2000

Claudia Wahjudi

After the Wall

Hamburger Bahnhof und Max Liebermann Haus, Berlin, 1.10.2000 – 4.2.2001

Der Begriff Transformationszeit war schnell gefunden für den Zustand jener Staaten, aus denen sich der Kommunismus verabschiedet hatte. Purer Euphemismus. Der Ausdruck legt nahe, es handele sich dabei um eine vorübergehende Zeit, die bald in einem neuen Status ihr Ende findet – in Demokratien westlichen Zuschnitts, allgemeinem Wohlstand und in einem großen Europa. Doch so einfach liegen die Dinge nicht.

Transformation, so legt die Ausstellung „After the Wall“ mit über 100 Arbeiten aus 22 postkommunistischen Ländern Europas nahe, ist ein Dauerzustand. Ob er je ein Ende hat und welches, ist ungewiss. Wie Ausrufezeichen markieren die Arbeiten von Boris Mikhailov und Rassim Kristev gegensätzliche Möglichkeiten, wohin die Reise gehen könnte. Hier die Serie „Dämmerung“ (1993) des 1938 geborenen Mikhailovs: schmale, düstere Fotos von armen und gestrauchelten Gestalten auf den Straßen der postsowjetischen Ukraine, aufgenommen im 180-Grad-Radius aus Hüfthöhe und so niedrig gehängt, dass sich der Betrachter wie eine alte Frau bücken muss. Die Transformation zum Lumpenkapitalismus. Und dort, über Kopfhöhe, das weithin sichtbare Selbstporträt des 1972 geborenen Rassim Kristev aus Sofia: „Korrekturen/Rassim“ (1996-98) zeigt einen kräftigen, selbstbewussten Mann mit entblößtem Oberkörper und Handy. Zwei Videos rechts und links dokumentieren Rassims Weg zu seiner neuen Identität: jahrelanges Training im Fitnessstudio hat aus dem langen, schmalen Kerl einen Muskelprotz gemacht. Survival of the fittest: Der Umbau des Ichs zum egozentrischen Superkerl verleugnet die Vergangenheit.

„After the Wall“ schließt ein Lücke. Die Ausstellung, initiiert vom Moderna Museet in Stockholm und dort 1999 erstmalig gezeigt,…

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von Claudia Wahjudi

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