Titel: Choreografie der Gewalt , 2000

BIRGIT RICHARD

Am Anfang war das Wort:
Domain war’s!

ZUR GEWALT DES EIGENNAMENS IN VIRTUELLEN WELTEN

Ist die Rede von Bildern der Gewalt in virtuellen Welten fällt es nicht schwer, diese sofort auf die im Kreuzfeuer pädagogischer Kritik stehenden Computerspiele, speziell auf die teilweise indizierten 3D Shooter (Action-Spiele wie DOOM, Quake) zu beziehen. Nach einem kurzen Exkurs zu den Gewaltspezifika dieser Bilder in ihrer Auswirkung auf individuelle Körper konzentriert sich der Beitrag auf das Paradox der unsichtbaren Gewaltphänomene, die sich im Internet an kollektiven und individuellen Körpern vollziehen. Die Praxis der Verbildlichung im Netz, die gegen die Unsichtbarkeitsstrategien der Macht gesetzt wird und die fragmentarischen Körperbilder in Computerspielen sollen zu Beginn kurz gegenübergestellt werden. In den Videospielen wird eine direkte Form der Gewalt sichtbar, die im Netz verschleiert ist.

Visualisierungsstrategien von Künstlern im Netz stehen im Mittelpunkt des Beitrages. Diese arbeiten gegen ein Verschwinden aus dem ökonomischen Raum mit bekannten Gewaltmetaphern wie dem Krieg. Sie koppeln das Netz durch die eigene körperliche Präsenz in den realen Raum zurück, um gewalttätige Vorgänge wie das Abschalten einer Website, vergleichbar mit einem „Platzverweis“ in der Realität, zu dokumentieren.

Computerspiel und Künstlerkollektiv (die etoy corporation in der toywar Auseinandersetzung) rekurrieren für die Konstitution des sublimen (vgl. Zizek 1991) und kollektiven Körpers auf das militärische Planspiel. Für beide Phänomene stellt die Transformation des Aggressiv-Militärischen ins Visuell-Ästhetische einen konstituierenden Bestandteil dar. Die virtuellen Kollektiv-Körper müssen aggressiv zerstört und in ihre Bestandteile zerlegt werden, um sich dann zusammenzufügen und aufzuerstehen. Der hohe graphische Standard in der dreidimensionalen Visualisierung führt dazu, dass sich…

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von Birgit Richard

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