Titel: Choreografie der Gewalt · von Jutta Zaremba · S. 195
Titel: Choreografie der Gewalt , 2000

JUTTA ZAREMBA

Medien(kampf)kunst

Paul Garrins Macht des Taktischen

Der New Yorker Paul Garrin: politischer Videoaktivist der 80er, Medien-Installationskünstler der frühen 90er und Internet-Partisan seit Mitte der 90er Jahre. Garrin attackiert Kunst, Medien und Öffentlichkeit und nutzt gezielt genau diese Bereiche, um durch seine Videobänder, Computerinstallationen und Netzprojekte die variierte Wiederkehr von Gewalt und Macht, Sicherheit und Terror zu zeigen.

Gesellschaftliche Relevanz ist bei Garrins Medienkunst von Anfang an zentral: „Für mich ist es interessanter, etwas zu schaffen, das tatsächlich Konsequenzen in der Öffentlichkeit hat. (…) Gleichzeitig zeigt aber viel von der sogenannten politischen Kunst keinerlei Wirkung, weil sie entweder die Bekehrten bekehren will oder weil sie im Ghetto der Galerien gefangen ist.“1 Der unbequeme Aktivist Paul Garrin hat in New York u.a. bei Vito Acconci und Hans Haake studiert, ist vor allem als Computerspezialist für die Bildbearbeitung bei Nam June Paiks Werken bekannt (Abb.1) und lehrt seit 1988 Computer-Kunst an der New York University.

TOMPKINS SQUARE RIOT
„Eines der Hauptanliegen meiner Arbeit ist immer der Begriff der Öffentlichkeit gegenüber dem Privaten gewesen. Territorium. Sicherheit. Privates. Das heißt die Art und Weise, in der die Medien die Wahrnehmung des Öffentlichen bestimmen.“2 1988 wird Garrin als Auslöser der „Camcorder Revolution“ bekannt: mit einem Amateur-Camcorder nimmt Garrin Polizeirepressalien gegenüber Hausbesetzern beim Tompkins Square Riot in Lower Manhattan auf. Die Polizei attackiert auch Garrin gewaltsam, doch er kann sein Demoband retten und sorgt für die Ausstrahlung der Übergriffe in den TV-Nachrichten von CBS und NBC am darauffolgenden Tag. Amateurtechnologie bekommt den Status einer wirksamen Waffe gegenüber staatlicher Gewalt: Durch…

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