Titel: Choreografie der Gewalt , 2000

THOMAS VARGEN

Western von heute

ZU DEN ARBEITEN VON CHRISTOPH DETTMEIER

Es gibt kaum einen Traum, kaum eine Hoffnung, kaum eine Angst, kaum eine Ideologie, kaum ein Trauma, kaum einen Zorn, der sich nicht in die Satteltasche eines Westernhelden packen ließe. (Georg Seesslen)

Christoph Dettmeier umkreist in seinen Arbeiten einen Mythos, der von Ehre erzählt und von den Anstrengungen, sie in einer verlustreichen Welt zu behaupten. Wenn der Künstler auf Ritter und vor allem Westernsagen rekurriert, dann markiert er damit eine Schnittstelle, in der eine durch moralische Rhetorik gekennzeichnete Position auch mit Gewalt bald nicht mehr gehalten werden kann. Cowboy und Ritter leben ständig in einer Welt, die, wie sie glauben, bald nicht mehr so sein wird. Es ist eine Welt, die sich gerade, im letzten Augenblick verändert hat. Sie haben das Land, den Wald und den Fluss, den sie gerade hinter sich gelassen haben, zum letzten mal gesehen. Die Apokalypse vollzieht sich vor dem Hintergrund einer sich in die Abstraktion organisierenden Gesellschaft, in der die als integer verstandene Position des Individuums durch einen kapitalistisch begründeten Pragmatismus der Gesellschaft abgelöst wird. In einer solchen Kultur erscheint der Cowboy mehr noch als der Ritter, der sich in einer solchen Rolle nicht mehr gefallen kann, als ein Outlaw, als eine unmögliche Existenz. Ihnen gemeinsam ist, dass der von ihnen vertretene Kodex veraltet, überkommen ist. Die Gewalt, die der Cowboy durch seine Bewaffnung in die Welt setzt, ist vergleichsweise harmlos. Dennoch ist die Waffe Zeichen und Fetisch einer tiefen Angst, die die Kultur gegenüber dem unverstandenen und…

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