Titel: Choreografie der Gewalt , 2000

UTA M. REINDL

Vom Aufschrei zur
subtilen Inszenierung

GEWALT IM WERK SPANISCHER KÜNSTLER

Der Einsatz der spanischen Kunst gegen Gewalt durch Politik und Kirche gilt im europäischen Vergleich als besonders leidenschaftlich. „Desastres de la Guerra“, die legendären Radierungen über das Kriegsinferno von Francisco de Goya1, sind das eindringlichste Beispiel dieser Art in der europäischen Kunstgeschichte. Den modernen Aufschrei gegen politisch motivierte Gewalt repräsentiert Pablo Picassos „Guernica“. Die Katalanen Salvador Dalí oder Antoni Tàpies schufen nicht minder eindrucksvolle Bildwerke gegen psychische sowie politische Unterdrückung – der eine surrealistisch verrätselt, der andere symbolistisch.

Mit der ausgehenden Franco-Zeit in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte sich eine das Regime unterwandernde und international anerkannte Performance- und Aktionskunstszene. Der Tourismus und die Ignoranz der Frankisten gegenüber dem politischen Potenzial von Kunst ermöglichten Liberalisierungstendenzen in dem ansonsten isolierten Land. So knüpfte die interdisziplinäre Gruppe ZAJ2 in Madrid – unter anderem mit Juan Hidalgo (geb. 1927), und Esther Ferrer (geb. 1937) – an die internationale Fluxusbewegung an: Sie boten den Franco-Zensoren mit dadaistisch-anarchischer Aktion die Stirn. Der im Pariser Exil lebende Maler Eduardo Arroyo (geb. 1937) polemisierte in satirisch-narrativen Bildern und Rafael Canogar (geb. 1935) erfasste mit ergreifendem Realismus die Brutalität staatlicher Gewalt.3 Der Pop-art-Strategien bediente sich das Malerkollektiv Equipo Crónico4 in Valencia, um die spanische Kunstgeschichte von Velázquez bis Picasso, vor allem aber die politische Missstände im Land zu reflektieren. Wenn auch vorwiegend mit Avantgarde und mit Kommunikation befasst, wendete sich in den Siebzigern der Künstler-Zusammenschluss Grup Treball5 in Barcelona mit Jordi Benito (geb. 1951), Carlos Santos (geb. 1949),…

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von Uta M. Reindl

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