Titel: Choreografie der Gewalt , 2000

GERHARD FINCKH

Katastrophen

EIN GESPRÄCH VON SVEN DRÜHL

Sven Drühl: Lassen Sie uns zuerst über Ihre diesjährige Ausstellung „Katastrophen und Desaster“ sprechen. Was hat sie an dem Thema interessiert? Warum eine solche Schau zu diesem Zeitpunkt?

Gerhard Finckh: Ich hatte überlegt, dass alle großen Museen dieser Welt irgendetwas zum Jahrtausendwechsel machen, denn das ist ja eine Art Wendemarke, auch wenn sie virtuell ist und im Grunde nur das Christentum betrifft. Das war ein willkommener Anlass darüber nachzudenken, was mit dieser Welt los ist. Harald Szeemann hat seine Apokalypse-Ausstellung gemacht und darin sozusagen den Weltuntergang vor Augen geführt. Das war mir zu pessimistisch, die Herangehensweise entspricht mir nicht. Auf der anderen Seite gab es die Ausstellungsreihe Global Art 2000 in der Rheinschiene und die erschien mir zu heiter und fröhlich; so viele positive Errungenschaften haben weder dieses Jahrhundert noch die letzten zwei Jahrtausende gebracht. Es gibt doch ganz massive Probleme, die sich im Grunde genommen von den Problemen, die es vor zweitausend Jahren gab, auch nicht sonderlich unterscheiden. Geht man beispielsweise von der damaligen Christenverfolgung aus, so ist das mit den aktuellen weltweiten Übergriffen gegen ethnische Minderheiten vergleichbar. Ich wollte also die negative Stimmung der Szeemann-Ausstellung nicht ganz so drastisch aufnehmen, andererseits wollte ich auch nicht dieses euphorische Moment der Global Art-Reihe.
Was mich angesichts des Jahrtausendwechsels interessiert, ist die tägliche Katastrophe, das, was uns jeden Tag betrifft. Wir können ja von Glück reden, wenn wir einen Tag heil überstehen. Denken Sie nur an Verkehrsunfälle, das aktuelle Beispiel mit der Concorde…es passiert ständig etwas…

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