Gespräche mit Künstlern , 2002

CARL EMANUEL WOLFF

„ALLE DINGE SIND DAS, WAS SIE SIND“

EIN GESPRÄCH MIT SVEN DRÜHL

Der in Essen und Dresden lebende Künstler Carl Emanuel Wolff ist für seine komplexen, oft surreal anmutenden Arrangements bekannt. Seine Skulpturen, etwa Tapire aus PU-Schaum, Wildschweine aus ungebranntem Ton oder Bronze, Fische in allen möglichen und unmöglichen Formen, Tische, Vasen, Leuchter und Regale, erzählen von der Welt – aber eben speziell von Wolffs eigener poetisch-märchenhafter Welt. Es handelt sich vielfach um ein Spiel mit der – wie er es nennt – „wirklichen Wirklichkeit“.

Bereits mit Anfang Zwanzig hat der Künstler von sich Reden gemacht, als er 1981 das begehrte PS1 New York-Stipendium bekam. Mitte der Neunziger vertrat er dann Deutschland auf der Biennale von São Paulo, wo er mit einem ungewöhnlichen, dezentralen Konzept überzeugte. Er präsentierte im Biennale-Gebäude eine Art Reisebüro, wo auf diverse Einzelschauen verwiesen wurde, die über das ganze Stadtgebiet verteilt, z.B. in einer Pinakothek der Moderne, einem Zigarrenladen oder einem Brautmodengeschäft, stattfanden. Eine gekonnte Befragung der Orte der Kunst.

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Sven Drühl: Vor kurzem lief die Schau „Zwerg Nase“ bei Martin Bochynek und es waren Zeichnungen und Plastiken bei Jean Claude Bourgueil im Düsseldorfer Sterne-Restaurant „Schiffchen“ zu sehen. Zwerg Nase war zur Eröffnung sogar persönlich da?

Carl Emanuel Wolff: Ja, er war anwesend. Lebendige Plastiken zu machen, war eigentlich immer mein Ideal. Dabei war klar, dass sie sich auf keinen Fall bewegen dürfen. Das Kinetische, die maschinelle Bewegung oder die Plastik, die offensichtlich gar nicht mehr stehen kann und irgendwo festgeschraubt ist, ist nicht meine Sprache. Bewegung sollte immer…

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