Gespräche mit Künstlern · von Doris von Drathen · S. 236
Gespräche mit Künstlern , 2002

RUI CHAFES

SCHWERELOSE GEBILDE AUS SCHWEREM STAHL

EIN GESPRÄCH MIT DORIS VON DRATHEN

Willst du das Interview in den Bergen oder am Atlantik führen, fragte mich Rui Chafes, bevor wir aufbrachen. Die Entscheidung war schnell getroffen, und wir fuhren an die Küste kurz vor Lissabon, wo Rui Chafes geboren und aufgewachsen ist und auch heute sein Atelier hat. Einziges Problem auf den Planken in den Dünen war das laute Aufschlagen der Wellen, das immer wieder ein paar Worte verschluckte. Aus einer Düne hing eine Wurzel heraus, die im Wind gegen den Sand schleifte und feingedreht war wie eine Linie von Dürer. Sonderbarerweise waren wir mit dieser Wurzel sofort in medias res – denn obwohl Rui Chafes als Bildhauer mit Eisen arbeitet ist immer wieder die Linie und die Natur sein Thema. Mit seinen zeichenhaften Skulpturen, die selten einzeln stehen, sich eher zu Gruppen zusammenfügen, als Raum- oder Naturbesetzungen auftauchen können, nie monumental sind, sondern eher wie Töne ihren Umraum verwandeln, vor allem aber geprägt sind von einem Glauben an die transzendentale Dimension der Kunst, nimmt der 1966 geborene Künstler eine unverwechselbare Position ein. Unter den portugiesischen Künstlern ist philosophische und literarische Bildung keine Ausnahme, Chafes aber erstaunt, da er nicht nur völlig fließend französisch, englisch und spanisch spricht, sondern auch deutsch und Novalis oder Riemenschneider besser kennt als manche seiner nordeuropäischen Kollegen ihren Computer. Wir haben also dieses Gespräch auf deutsch geführt, „wegen der schlagsicheren Begriffe“ wie Rui Chafes sagte.

Doris von Drathen: Es gibt in deiner Arbeit ein Paradox, du schaffst aus dem…

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