Gespräche mit Künstlern , 2002

RITA VITORELLI

NUR DAS REALE IST SCHÖN

EIN GESPRÄCH MIT URSULA MARIA PROBST

Wenn man mit Rita Vitorelli ein Interview führt, dann beginnt man in ihrer Welt zu leben. Beim Betreten ihres Ateliers schallt einem ein Remix von Serge Gainsbourgs Bonnie & Clyde entgegen. Ein Blick ins Bücherregal streift über Bret Easton Ellis, Haruki Murakami, Judith Butler, Gustave Flaubert, Catherine Millet, Michel Houllebecq, Simone de Beauvoir, George Sand. Rita Vitorellis figurative Bilder kreisen um die großen Themen unserer Zeit, um Kindheit, Liebe, Sex, Erotik, Androgynität, Mode, Langeweile, Erregung, Gefahr, Macht, Ohnmacht und Verwundbarkeit. Rita Vitorelli wechselt das System: nicht mehr demaskieren, nicht mehr interpretieren, sondern das Bewusstsein selbst zur Droge machen und dadurch zur umfassenden Vision des Realen Zugang finden. Sie lenkt den Blick auf das Leben und bringt durch Imagination und Obsession ihre Kunst hervor. In ihren Bildern klingen die Beats, die gegen das in den Medien propagierte Image der Lost Generation rebellieren. Auch wenn diesem Elan zunächst der Rückzug in intime Räume vorausgeht. Längst sind nicht alle Bilder gemalt.

Mit den Händen sehen – es gibt keine treffendere Umschreibung für das Paradies.
Mantley

Ursula Maria Probst: Hast du eine Sehnsucht nach dem Paradies?

Rita Vitorelli: Ich habe eine Sehnsucht nach paradiesischen Zuständen. Durch meine Arbeit versuche ich, mich diesen Zuständen zu nähern.

Was ist die erste Kunst, an die du dich erinnern kannst?

Bilder von Velázquez. Schlechte Reproduktionen der InfantInnen, die ich als Kind zu Hause im Bücherregal fand. Ich war begeistert! Völlig hingerissen von diesen ernsten, blassen Kindern in ihrem prächtig schimmernden Gewand, dem aufgetürmten…

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von Ursula Maria Probst

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