Titel: 49. Biennale von Venedig · von Heinz-Norbert Jocks · S. 46
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

»Alles, was zum Menschsein gehört«

GESPRÄCHE MIT HARALD SZEEMANN
VON HEINZ-NORBERT JOCKS

Harald Szeemann, unter den Ausstellungsmachern wirklich weltweit ein Star des assoziativen Verknüpfens von Einzelpositionen zu einem Ganzen. Ja, ein poetischer Sinnstifter, der den Dialog zwischen den Werken provoziert, und ein geistreicher Visionär. Ein Vorwärtsdenker. Ein Utopiebejaher gegen den Mainstream, dessen Dummgequatsche ihn nicht erreicht. Ein leidenschaftlicher Seher, dessen Sohlen sich erinnern. Auch ein vorbehaltloser Meisterfinder, der sich auf Neues wie selbstverständlich einlässt. Und als Ausstellungsmacher selbst ein Künstler. Ein Abenteurer, der Dinge ausprobiert und seinen Erfahrungshorizonte ins Weite verlegt. Ein Wagemutiger, der nicht nur auf Nummer Sicher geht, sondern Risiken bewusst eingeht. Er weiß, dass, wer wagt, sich irren kann. Zudem ein gewissenhafter Globetrotter in Sachen Kunstvermittlung, dabei an anderen Kulturen interessiert. Kein Eurozentrist, dessen Augen an einer Hybris leiden, die blind macht. Aber ein wahrer Anarchist. Und sympathischer Zeitgenosse, der Zeiten produktiv synthetisiert. Alles in allem ein passionierter Quergeist, dabei Mensch ohne Starallüren.

Als er vor zwei Jahren antrat, die an Bedeutung arg geschrumpfte Biennale mit neuem Atem zu beleben, war dies keine leichte, eben eine Marathonaufgabe. Eine große Herausforderung, der er sich mit Engagement, Verve, ungeheurem Elan und hochambitioniert stellte. Mit großem Erfolg. Es war die letzte Biennale am Ende des 20.Jahrhunderts und damit auch eine Art Vorgabe für die kommenden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Biennale wurde er direkt noch einmal gefragt, ob er nicht auch die erste im neuen Jahrhundert ausrichten wolle. Er sagte zu und machte das Unmögliche wahr. Wieder begab er sich auf…

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