Titel: 49. Biennale von Venedig · von Doris von Drathen · S. 204
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Brasilien

Vik Muniz, Ernesto Neto

Kommissare: Carlos Bratke, Edemar Cid Ferreira

Kurator: Germano Celant

Stellvertretender Kommissar: René Parrini

Sensation und Stille, physische Attraktion und kontemplative Wahrnehmung waren im brasilianischen Pavillion dicht nebeneinander zu erleben. Während Ernesto Neto mit großen Lycra-Geweben, die wie transparente Membrane anmuten, die aber zu weich angefüllten Formen werden und in großen Räumen höhlenartige Landschaften entstehen lassen, in denen der Zuschauer versinken kann, oder die in hängenden Formationen seine Geruchssinne mit orientalischen Gewürzen reizen, manchen Betrachter gar zum Niesen bringen, zeigt Vik Muniz große Phototafeln; eine Serie von schwarz-weißen Blasenkonstellationen, eine andere, in der er Bilder der Kunstgeschichte aufbricht in hunderte von Farbzettelchen. Die meisten waren aufgeschlossen für die haptischen, schmeichelnden oder duftenden Sinnen-Gebilde des Ernesto Neto und gingen ungerührt an den kühlen Phototafeln des Vik Muniz vorbei. Wir hielten es umgekehrt und entdeckten eine Emotion auf den zweiten Blick.

Der Brasilianer ist 1961 in San Paolo geboren, und lebt seit 1983 in New York. Nach anfänglicher skulpturaler Arbeit kam er durch sein eigenes Archivieren zur Photographie. Diese Vorgehensweise bleibt für seine Photographie bestimmend.

*

Doris von Drathen: Es scheint deutlich, daß Du in zwei Schritten arbeitest, da ist zunächst ein Objekt, das Du erarbeitest, und dann photographierst, oder?

Vik Muniz: Allerdings habe ich das immer getan. Ich habe zu Beginn der 80er Jahre Skulpturen hergestellt und die für mein eigenes Archiv photographiert. Dabei entdeckte ich eine Distanz, die mich gefangennahm: Dadurch daß die Skulptur zweidimensional auf der Phototafel erschien, wurde sie für mich zu einem Zwittergegenstand zwischen Objekt und Bild. Das habe ich dann weitergeführt,…

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von Doris von Drathen

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