Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Belgien

Luc Tuymans

Kommissar: Jan Hoet

Kurator: Eva Wottiex

siehe auch Interview

Auch Afrika gehört zur Biennale. In den Giardini ist als einziges Land des Schwarzen Kontinents zwar nur Ägypten vertreten. Aber es gibt so etwas wie eine – inoffizielle – Außenstelle. An der Riva degli Schiavoni stehen reihenweise fabrikationsfrische Handtaschen mit den Labels bekannter Edelmarken. Die Autoren dieser offenbar nicht genehmigten Arbeit sind anonym und wollen es bleiben: Jedes Mal wenn die Polizei gesichtet wird, und sei sie in Zivil, raffen die Schwarzafrikaner ihre kostbaren Fakes zusammen und laufen fort. Diese Mischform aus Installation und Performance wurde nicht eigens für Venedig konzipiert. Seit Jahrzehnten – lange bevor Sylvie Fleurie mit ihren Luxusparaphrasen auf den Plan trat – sind solche Aktionen mit bewusst reproduzierten hochpreisigen Konsumgütern in Rom, Florenz, Paris, New York zu sehen.

Gäbe es nicht noch die Ausstellung „Authentic/Ex-centric“ mit Arbeiten afrikanischer Künstler, die in London, Boston oder Johannesburg leben, so wäre das der eigentliche Beitrag Afrikas zur Biennale: eine Gruppe von Straßenhändlern, die mir ihrem illegalen Handel die Gesamtinszenierung Venedig um das stimulierende Element des Nicht-Erlaubten ergänzen, ja mit ihren falschen Taschen die Echtheit des Schauplatzes überhaupt erst verbürgen, weil hier selbst die Andeutung sozialen Elends per definitionem keinen Platz hat. Hier die Schwarzen als Ingredienz zur Flairverstärkung, dort die Biennale-Landkarte auf der weder Sudan oder Simbabwe, Kenia oder Kamerun zu finden sind: Beide Fälle sind Ausläufer einer strukturellen Apartheid, wie sie durch den Kolonialismus befördert wurde. Mithin stehen die Malereien von Luc Tuymans, die thematisch in Westafrika angesiedelt sind, in einem direkten…

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von Michael Hübl

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