Titel: 49. Biennale von Venedig · von Susanne Boecker · S. 222
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Australien

Lyndal Jones

Kommissar: Leon Paroissien

Kurator: John Barrett-Lennard

Der aufgrund seiner Architektur nicht gerade leicht zu „bespielende“ australische Pavillon steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Videokunst. Lyndal Jones (Jg. 1949) schuf für Venedig die ortsspezifische Installation „Deep Water/ Aqua Profunda“ – eine vielschichtige und technisch sehr aufwendige Arbeit, die parallel auf mehreren Ebenen abläuft. Kleine in das Dunkel des Raums projizierte Bildausschnitte zeigen in Nahsicht das Gesicht einer Frau in intimer „Realgröße“. Sie erzählt in englisch und italienisch über sexuelle Begehrlichkeiten. Der zweite, im Untergeschoss auf die gesamte Breite des Raumes projizierte Teil der Arbeit besteht aus verwischten, bewegten Bildern von Bauten am Wasser. Die Aufnahmen stammen aus Venedig und Sydney und werden untermalt von den live übertragenen Geräuschen des hinter den Pavillons liegenden Kanalarms. Diese beiden eigentlich extrem unterschiedlichen Videos – das eine intim, das andere „öffentlich“, das eine in präziser Fokussierung, das andere in schweifender Blickbewegung usw. – werden durch die durchgehende Geräuschkulisse miteinander verknüpft. Diese „reale“ Ebene bindet den Betrachter unmittelbar in die Szenerien ein, weist ihm die Rollen des Voyeurs, des Flaneurs, des Zuhörers und Zuschauers zu. Unwillkürlich verstrickt er sich (sowohl mental als auch körperlich) in die sehr suggestiven akustischen und visuellen Szenerien. SB

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