Titel: 49. Biennale von Venedig · von Susanne Boecker · S. 202
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Uruguay

Rimer Cardillo

Kommissar: Cléver Lara

Stellvertretender Kommissar: Ángel Kalemberg

Im Zentrum des Pavillons liegt ein kreisrunder, oben spitz zulaufender Erdhügel. Darin stecken, wie eine Schuppenschicht angeordnet, ovale Formen aus gebranntem Ton. Sie zeigen verschiedenes Getier, Fische, Vögel. Schildkröten, Alligatoren, Waschbären – allesamt Tierarten, die im Norden und Süden Amerikas beheimatet sind. Hier liegen sie nun aufgeschichtet zu einer Art kultischer Weihestätte oder auch Totenhügel aus abgegossenen Fossilien. „Cupí der Vögel“ nennt Rimer Cardillo (Jg. 1944) seine Arbeit, was soviel heißt wie „Ameisenhaufen der Vögel“ – wobei das Wort der Sprache der Guarani-Indianer entstammt und sich auf die Hügel einer bestimmten Ameisenart bezieht. In einem metaphorischen Sinne assoziiert dieser Erdhügel auch die sogenannten „cerritos“, jene vom Süden der USA bis in die nördlichen Regionen Uruguays vorkommenden, von Menschenhand geschaffenen Erdanhäufungen. Wie so viele lateinamerikanische Künstler beruft sich Cardillo auf die Natur als wichtigste Basis seines künstlerischen Schaffens, ja bindet dieses in einen gewissermaßen „kreatürlichen“ Zusammenhang ein. In seinen Arbeiten überkreuzen sich die Bedeutungsebenen, und die „moderne“ Kunstschöpfung bleibt immer ihren Quellen, der Natur und der indianischen Mythologie, verhaftet: Eigentlich nichts für den künstlichen Kosmos des „White Cube“. SB

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von Susanne Boecker

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