Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

GERHARD MACK

Metaphern des Alltäglichen

VIDEOARBEITEN BEI DER BIENNALE VENEDIG

Rechts und links von der Tür stehen Yuccapalmen, darüber verkündet ein Schild „International Arrivals“. Dann öffnen sich die Türflügel, und die Fluggäste kommen. Der Managertyp allen andern vorweg. Frauen, die sich zur Begrüssung umarmen. Andere, die nach Bekannten suchen. Einzelne, kleine Gruppen. Die Crew, und schliesslich ein Fluggast mit Wägelchen und gelber Tüte, auf der der Slogan „see buy fly“ aufgedruckt ist. Sie alle kommen vom Flugzeug und treten zugleich vor uns wie Wesen einer anderen Welt. Die Verlangsamung der Bilder macht sie augenblickshaft wie Erscheinungen. Die Kamera ist statisch und frontal auf die Türe gerichtet. Sie macht die Menschen zu Abgesandten des Himmels, mit Jenseitserfahrung aber ohne Erlösungsbedürfnis. Ein besseres Sinnbild für diese Venedig-Biennale lässt sich kaum finden, als es Mark Wallinger im englischen Pavillon mit „Threshold to the Kingdom“ gegeben hat. Der Mensch erscheint als sein eigener Retter, gelassen sich mit offenen Augen befragend, und auf jeden Fall als sein erstes und fast alleiniges Sujet. Dass die ganze Szene mit einem sehr hell gesungenen „Misere“ unterlegt ist, tut ein übriges zu dem Effekt.

„Plateau der Menscheit“ hat Harald Szeemann seine Hauptausstellung der diesjährigen Biennale in Venedig genannt. Die Figuration, die Darstellung des Menschen, das Bild, das wir uns von uns selbst und voneinander machen, hat den Vater der Ausstellungsmacher schon immer fasziniert. Nichts ärgert ihn an der Moderne mehr als die Fetischisierung des Objekts, die in der Kunst des 20. Jahrhunderts mit Marcel Duchamps Readymade begonnen hat. Der Hang zur Figuration ist…

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