Titel: 49. Biennale von Venedig · von Susanne Boecker · S. 196
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Island

Finnbogi Pétursson

Kommissar: Hrafnhildur Schram

Stellvertretender Kommissar: Gudný Magnúsdóttir

Dumpf dröhnt es aus dem isländischen Pavillon. Das Geräusch dringt aus einer großen, wie ein riesiger, eckiger Trichter in den Eingang des Gebäudes gesteckten Skulptur aus hellem Holz. Es zieht einen hinein, immer weiter in den immer enger und immer dunkler werdenden 16 Meter langen Gang. Das tiefe Ge-räusch wird immer lauter. Am schmalen Ende steht man ganz alleine vor einer Art Schlitz. Zu vernehmen ist ein sogenannter „teuflischer Ton“, bestehend aus zwei sich kreuzenden Tönen von 61,8 und 44,7 Herz, erzeugt mit Lautsprecher und Pumpe in einer Orgelpfeife. Im Mittelalter waren diese Frequenzüberschneidungen als „teuflisch“ verschrien, ja regelrecht mit Zensur belegt – vielleicht, weil man sie weniger mit den Ohren (also dem Kopf) als vielmehr mit dem Bauch wahrnimmt? Der von Kommissar Hrafnhildur Schram für den isländischen Pavillon ausgewählte Finnbogi Pétursson ist ein Spezialist in Sachen Sound. Sein Basismaterial sind Geräusche, die er in sparsame skulpturale Arbeiten integriert. Insofern ist diese Arbeit charakteristisch für das gesamte Oeuvre des 1959 geborenen Isländers. Ihren besonderen „Kick“ erhält „Diabolus“ durch das bewusste Aufgreifen eines ehemals geächteten Tons in einer sehr strengen skulpturalen Struktur. Das religiöse Tabu wird mit formaler (man möchte fast sagen: typisch skandinavischer) Rationalität und moderner Technik in Szene gesetzt – eine wohl nur im protestantischen Norden mögliche Art ketzerischer Phantasie. SB

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