Ausstellungen: München · von Cornelia Gockel · S. 322
Ausstellungen: München , 2003

CORNELIA GOCKEL

Anderswelten/transform

Kunstraum München, 11.9. – 9.11.2003

Wie kann man Schnee zeichnen? Skizziert man mit Bleistift eine kühne Bergkette, malt man kleine Kringel als Schneeflocken auf das Papier oder lässt man das Blatt am besten ganz weiß? Die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger hat sich erfolglos mit dieser Frage rumgeplagt und ihre vergeblichen Versuche als zusammengeknüllte Papierbälle dem Besucher im Kunstraum einfach vor die Füße geworfen. Sie selbst erscheint uns lebensnah in ihrer Videoinstallation, eingehüllt in einen kuscheligen Parker und hineinkopiert in eine kulissenhafte, malerische Schneelandschaft. Da sieht man sie dann endlich, die schneebedeckten Berge vor einem strahlend blauen Himmel, die verschneite Almwiese und ein richtiges Schneegestöber mit dicken, weichen Flocken – eine am Computer konstruierte Landschaft, zusammengestellt aus abgedroschenen Klischees, die einen abstößt aber zugleich auch berührt.

„Anderswelten/transform“ hat die Kuratorin Susanne Meyer-Büser die Ausstellung im Kunstraum München mit den drei Schweizer Künstlerinnnen Ariane Andereggen, Zilla Leutenegger und Irene Naef genannt. Es ist der zweite Teil eines Projekts zum Thema Grenzüberschreitung und Austausch mit anderen Realitäten, dass sie im Februar mit den Künstlern Daniel Roth, Karoline Walther und dem Duo Ursula Ponn/Doris Lasch begonnen hat. „Anderswelten“ ist keine intellektuelle Ausstellung, die zur kritischen Reflektion über das Wahrnehmungsverhalten oder zum philosophischen Diskurs über die Wirklichkeitserfahrung einlädt. Vielmehr will sie den Betrachter entführen in phantastische Parallelwelten, die man rational nicht genau erkunden kann. Virtuos verschränkt Zilla Leutenegger in ihrer Videoinstallation „Der große Schnee“ die verschiedenen Bildebenen. Sie selbst steht lebensnah inmitten dieser schaurig-schönen Kulisse an der Schnittstelle zur Realität und schmeißt uns mit trotzigem Gleichmut…

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