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Titel: Theorien des Abfalls · von Janine Schiller · S. 106 - 117
Titel: Theorien des Abfalls , 2003

JANINE SCHILLER
VON DER WERTIGKEIT DES WERTLOSEN

FELDSTUDIE ÜBER ALLTAGSDINGE IM BROCKENHAUS

In unserem Alltag1 sind wir von einem Universum von Dingen umgeben, die wir kaum je richtig beachten. Diese Dinge prägen uns unmerklich. Sie gehören irgendwie zu unserem Leben und zu unserer Gegenwart. Sie erscheinen uns kaum als aufhebenswert, sondern landen irgendwann im Abfall. Es gibt jedoch einen Ort, an dem uns diese unscheinbaren Sachen wieder begegnen: im Brockenhaus. Dort wird „Abfall“2, aus dem Nützlichkeitskreis herausgefallener Hausrat, gesammelt und präsentiert. Mit dem Verlust des Gebrauchswertes verliert der Gegenstand eigentlich zugleich Funktion und Bedeutung, die Dinge bleiben in ihrer schieren Materialität zurück. Doch im Brockenhaus bekommen diese Gegenstände plötzlich einen Verweischarakter, sie können Assoziationen und Erinnerungen auslösen. Sie sind Vergleichsobjekte für den eigenen Alltag und geben Auskunft über den Umgang mit Sachen. Ein einzelner Gegenstand hat nun die Kraft, diesen fliessenden Wandel der Alltagsdinge im Brockenhaus – wo gleiche Gebrauchsstücke in Variationen nebeneinander gereiht stehen – in einem Geistesblitz sichtbar zu machen.

Das Brockenhaus ist das Abbild eines Querschnitts durch die in einem bestimmten kulturellen Raum befindlichen Dinge. Es hält das Fliessende und Vergängliche für einen Augenblick fest. Es zeigt das, was sonst in der Zeit untergehen würde. Es ist eine Schnittstelle zwischen dem Gestern und Heute. Unser Alltag wird von dinglichen Phänomenen der industriellen Massenkultur geprägt, die Teil der modernen Lebenswelt sind. Darauf antwortet – als Echo auf die Wegwerfgesellschaft und zugleich kulturelles Phänomen – das Brockenhaus. Die Gegenstände dort sind auf eine Art Waisen, was in sie hinein gedeutet wird, hängt von der eigenen Einbildung und Erinnerungskraft ab. Welche Rolle dabei ein Gegenstand einnimmt, ist ganz offen: Er kann Fetisch, Partner, Instrument, Werkzeug, praktischer Gebrauchsgegenstand, Zeichen oder Symbol sein.

Bezeichnenderweise erscheint der Begriff des Brockenhauses nicht in den gängigen Wörterbüchern und Lexika. Im nicht-schweizerischen deutschsprachigen Raum ist weder die Bezeichnung, das Ausmass des Gebrauchtwarenhandels noch die Institutionalisierung bekannt. Etymologisch leitet sich „Brocken“ von „Abgebrochenem“ ab, und hat in diesem Sinn die weite Bedeutung von Rest. Die Bezeichnung Brockenhaus stammt vom biblischen Ausspruch „Sammelt die übrigen Brocken, dass nichts umkomme“. Diesen christlichen Gedanken hat 1872 Pastor Friedrich von Bodelschwingh, Gründer der Bethelmission, aufgenommen und als erster eine Sammel- und Verkaufsstelle für gebrauchte Waren eingerichtet, „deren Ertrag zur Finanzierung des sozialen Werkes diente“.3 Heute trägt das Brockenhaus zur Geschichte des Designs bei.

WÜHLEN IM BROCKENHAUS

Das Brockenhaus verkörpert ein Stück Kulturgeschichte und ist eine wahre Fundgrube für Kuriositäten, Skurrilitäten, Trivialitäten. Wertvolle, kitschige – anspruchsvolle und lächerliche Dinge stehen nebeneinander und verweisen auf die Vergänglichkeit. Die Alltagsgegenstände werden kategorisiert, sortiert, manchmal inszeniert. Elektronische Geräte liegen neben angefangenen Gobelins, Postkarten und leeren Brillenetuis; in Eternitkisten domestiziertes Grün wartet nebst unbehausten Vogelkäfigen und ausgeräumten Portemonnaies auf Kundschaft.

Es ist ein Parcours zu durchlaufen von den Putzmitteln über Nähkästchen, Geschirr und Porzellan, Matratzen, Unmengen von nach Farbe sortierter Frotteewäsche, Kleidern, Kleinmöbeln, Werkzeug, Vasen, Nippes, Bücher, Schallplatten, Pfannen, Lampen, Dosen, Wäschekörben und Spielsachen bis zu den Vitrinen mit den Raritäten und Antiquitäten. Das Brockenhaus versammelt unter einem Dach Dinge aus den unterschiedlichsten Haushalten. Ein Mix von verschiedenen Zeiten, Stilen, Epochen und Schichten liegt auf engstem Raum beieinander.

Das Brockenhaus entbindet die Sachen zu einem gewissen Grad von den früheren Besitzern und Besitzerinnen. Auf dem Flohmarkt werden Gebrauchsgegenstände zum Teil direkt von den Eigentümern verkauft. Da ist das Brockenhaus anonymer, wobei die vermeintliche Anonymität eine Entlastung sein kann. Man muss nicht wissen, wem die Dinge effektiv gehört haben, womit hiermit auch eine vielleicht interessante Herkunftsgeschichte verschleiert wird.

Auf der anderen Seite ist das Brockenhaus viel intimer, weil gerade dank dieser Anonymität Gegenstände in Umlauf kommen, die sonst wohl kaum jemand persönlich verkaufen würde. Das Herumstöbern können und auch dürfen ist eine spezielle Qualität des Brockenhauses. In Warenhäusern, auf dem Flohmarkt, in Antiquitätenläden oder auch im Museum ist das Anfassen der Gegenstände häufig unerwünscht oder nicht erlaubt. Im Brockenhaus wird ein taktiles, manchmal auch ein handfest sensitives Bedürfnis gestillt, wie das intensive Wühlen, Anfassen und Mustern zeigt.

WERTSCHÄTZEN VON ALLTAGSDINGEN

Nebeneinander präsentiert und aufgereiht werden im Brockenhaus kleine Veränderungen in der Ausführung, des Designs und der Technik sichtbar gemacht. Das Brockenhaus materialisiert geronnene Alltagskultur. In den Gebrauchsgütern stecken Handlungsanweisungen für den Alltag, Anleitung für deren Gebrauch und Verwendung.

Ein Kunde lässt sich über die richtige Form der Salatschüssel aus: sie darf unten nicht zu schmal sein, da sonst das Wenden des Salats in der Sauce ohne verschütten nicht möglich ist. Er kennt sich mit allen Arten von Knoblauchpressen aus und meint, es sei schwierig, das richtige Modell zu finden. Entweder sei die Lochung zu gross oder zu klein, so dass nicht mehrere Knoblauchzehen gleichzeitig durchgepresst werden können oder die Presse zu schnell verstopft. Pfannen mit Henkeln zieht er solchen mit langen Stielen vor, weil die in kleinen Küchen besser zu verräumen sind. Und überhaupt erscheint er Experte des Hausrats, denn für ihn sind die Handlungsanweisungen für das beste Gelingen untrennbar mit den zugehörigen Hilfsmitteln verbunden.

Ein anderer Kunde zeigt mir eine kupferne Bettflasche, die auf der glühenden Kohle heiss gemacht und an kalten Tagen ins Bett gelegt wurde. Der Mann ist ein Sammler und Experte auf dem Gebiet der Kupferwaren. Der Umgang mit der Bettflasche ist ihm aus seinem früheren Alltag bekannt. Sein Wissen äußert sich sowohl in der richtigen Handhabung, im Gebrauch wie auch im Erkennen der Echtheit unter Repliken. Er erklärt mir über einen Gegenstand eine frühere Lebensweise, von der er ausgeht, dass sie mir nicht mehr bekannt ist. Dieses Wissen könnte sich jedoch auch ein Sammler aneignen, der Gegenstände nicht oder nicht mehr aus der eigenen Erfahrung kennt.

Die meisten Brockenhaus-Kunden sind Wiederholungstäter uns besitzen bereits viele Sachen aus dem Brockenhaus. Die Selbsteinschätzung ist aber, dass sie nichts Spezielles sammeln. Dabei wäre es vielleicht hilfreich, den Begriff „Sammeln“ auszuweiten und im Fall vom Brockenhaus auch das Kaufen oder Horten von ganz beliebigen Sachen, zum Sammeln zu zählen.4 Das heisst, dass ich also in einer Umkehrung alle, die nicht etwas für den effektiven Gebrauch und nicht aus einer finanziellen Notlage im Brockenhaus kaufen, zu den Sammlern und Sammlerinnen in einer weiten Auslegung zählen würde.

Das Sammeln gehört zu den Signaturen der Moderne und sei ein Bedarf zu kompensatorischen Ersatzhandlungen, schreibt Konrad Köstlin.5 „Man kann das Kulturmuster ‚Sammeln‘ als eine der wenigen Chancen in der Gegenwart verstehen, die noch Kreativität und Spielräume zulassen und noch nicht verplant sind. Modernes Sammeln lässt sich zugleich auch als der Versuch deuten, eine Ordnung zu stiften, einen eigenen Mikrokosmos von Sachkomplexen zu organisieren.“6.

Die Frage nach der Besonderheit von Alltagsgegenständen als kulturelle Objekte drängt sich bei der Beschäftigung mit dem Brockenhaus auf.7 Gerade die Alltagsdinge verkörpern die flüchtige Erinnerung an das, was sich in der sozialen Praxis im Alltag ereignet. Gottfried Korff plädiert für eine umfassende Sachforschung, um Prozesse der Symbolbildung und Verwertung vor dem Hintergrund der Beschleunigungsprozesse zu untersuchen.8

Die lebensweltliche Bedeutung der Dinge kann als Materialität, Funktionalität und Temporalität diskutiert werden: „Die Materialität verleiht den Sachen Evidenz und Dauerhaftigkeit: sie sorgt für Festigkeit im Wechsel der Handlungen und Gefühle. In ihrer Dauerhaftigkeit vermitteln Sachen konstante Erfahrungs- und Handlungsmuster, auch intergenerativ. Sie stellen Kraft ihrer Materialität persistierende Wahrnehmungs- und Hantierungsschablonen dar.“9 Im Vergleich zu Ideen, Affekten und Diskursen, zeichnen sich Dinge durch eine Zeitbeständigkeit aus, wonach die Materialität zwar nicht Überleben, aber Überdauern sichere.10 Denn die Dauerhaftigkeit der materiellen Kultur übt einen wichtigen Einfluss auf Überlieferungsprozesse, Geschichtsbildung und Geschichtskultur aus, die sich als „time binding“ ablesen lassen. Objekte sind also multifunktional und mehr als blosse Werkzeuge und Instrumente. Den Gegenstand bestimmen nicht nur die materiellen und formalen Aspekte, nach denen sich der Umgang mit ihnen richtet, sondern ihn bestimmen auch die den Sachen zugeschriebenen individuellen und kulturellen Qualitäten.

Über die mit Aussagen von Sachzeugen geschriebene Alltagsgeschichte geht der Ansatz einer Kulturgeschichte der Alltagsdinge hinaus. Die Vorstellungen und Bedeutungen, die mit den Objekten der materiellen Kultur verknüpft sind, sollen nach Wolfgang Ruppert als Teilschicht der immateriellen Kultur verstanden werden. Dahinter steht ein Kulturbegriff, der den Alltagsdingen konstruktive, ästhetische und gestalterische Eigenschaften zuschreibt.11 Die kollektiv-normativen Wertschätzungen lassen sich am wertvollen Material, am Stil und am geschichtlichen Kontext ablesen, den das Objekt repräsentiert. „Mit den Dingen werden die Wertschätzungen tradiert.“12 Über die Wertschätzung von Gebrauchsdingen lässt sich der vergangene Alltag rekonstruieren, weil diese Zuschreibungen bereits ein Moment der Geschichte sind, indem sie alltägliches Handeln und kulturell normierte, mit den Dingen verknüpften Handlungsanweisungen repräsentieren.

WERTEWANDEL

Sachen können in die Kategorie des Aufhebenswerten oder des Vergänglichen eingeteilt werden. Das subjektive Einschätzen, welchen Wert einem Gegenstand im Brockenhaus zugeschrieben wird, gibt Auskunft über die kulturelle Wertigkeit der Dinge. Meine Gesprächspartner und -partnerinnen kennen verschiedene Brockenhäuser in der Stadt und in der Region Zürich, wissen über das unterschiedliche Angebot Bescheid und verfügen über eine Preiskompetenz. Das meint eine Fähigkeit, die sich erst nach einer Zeit mit einer gewissen Routine einstellt. Da ist auf der einen Seite der Preis, den man gewillt ist zu zahlen, andererseits aber auch das Wissen darum, wenn etwas preiswert oder eben überteuert ist.

Die Objekte des Alltags sind zunächst Gebrauchsgüter. Sie werden als solche entworfen, entwickelt, produziert, gekauft und genutzt. Wenn das Produkt vernutzt, verbraucht oder durch Ersatz entwertet ist, verliert es seine Gebrauchswerteigenschaften. In Industriegesellschaften wird dieser Prozess über Innovation, technischer und struktureller Wandel, Verschleiss und aus ästhetischen Gründen angetrieben. Hier besteht eine gewisse Spannung zwischen einem hohen Verschleiss von Alltagsdingen, der einer steigenden Wichtigkeit von historischen Objekten gegenübersteht.

Obsolet gewordene Objekte werden auf eine Müllhalde geworfen, oder, wenn sie irgendwie zu schade zum Wegwerfen sind, ins Brockenhaus gegeben, das so zum Korrelat des modernen Abfallsystems wird. Eigentlich könnten alle Gegenstände, die im Brockenhaus zu kaufen sind, der Kategorie des Abfalls zugeordnet werden. Die früheren Besitzer haben diese Gegenstände weggegeben, weil sie sie nicht mehr benötigen oder gebrauchen können. Es sind Sachen, die für gewöhnlich nicht weitergegeben oder verschenkt werden, es sind keine Erbstücke. Diese Güter werden zu Abfall, können jedoch teilweise als Kulturgüter in einem anderen Zeitpunkt wieder entdeckt werden. Nach einer notwendigen Latenzphase der Wertlosigkeit im Brockenhaus kann eine solche Umwertung stattfinden, die der Gegenstand durch das bewusste Aufbewahren und aus dem Abfall ziehen erfährt.

Die Prozesse, die zu dieser Neubewertung führen, werden auch durch Moden, Marktentwicklungen oder wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn ausgelöst. Durch den Akt der Selektion wird der Gegenstand erhöht und allenfalls in eine Sammlung aufgenommen. Falls er nicht mehr hergestellt wird oder aus anderen Gründen nur noch in begrenzter Anzahl existiert, kann der Wert zusätzlich steigen. Damit eine solche Werttransformation eintreten kann, müssen einige Faktoren zusammentreffen: eine kumulative Abfolge exzentrischer Bewertungen von Objekten führt dazu, dass mit wachsender Zahl dieser Umwertungen der exzentrische oder ausgefallene Charakter abnimmt, ein Gewöhnungseffekt eintritt und ein Markt für dieses Objekt entstehen kann. „Sobald sich eine bestimmte Kategorie von ‚Zeichenträgern‘ in den Sammlungen des intellektuellen und künstlerischen Milieus verbreitet, beginnen auch die Mächtigen und die Reichen sich dafür zu interessieren. So wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, durch den vormals geringgeschätzte Gegenstände oder Abfall in Semiophoren verwandelt werden.“13

Als verzögernde Momente im Verwertungsprozess der Dinge nennt Michael Thompson Museen und Trödler und folgert, dass der Antiquitätenhändler in dem Masse erfolgreich ist, „wie es ihm gelingt, die Dauerhaftigkeit eines Gegenstandes hervorzuheben“14. Es ist gewiss nicht nur der Marktmechanismus allein, der darüber bestimmt, welche Gegenstände in dieser Weise ihren Status ändern. Der Übergang von Abfall ins Dauerhafte wird zwar von verschiedenen Faktoren bestimmt, geschieht aber abrupt: „In der Versenkung verschwinden können Dinge allmählich, aber sichtbar werden sie mit einem Schlag.“15

ARCHIV UND ABFALL

Was im Archiv von einer Zeit aktiv gesammelt und konserviert wird, wird im Brockenhaus zufällig versammelt und dem Zerfall überlassen. Der wachsende Abfall, als nicht gesammelter und sich dennoch ansammelnder Überrest der Zivilisation, ist als inverses Bild des Archivs zu entziffern. Der Abfall ist dabei für das Archiv strukturell genauso wichtig, wie das Vergessen für das Erinnern.16 Die Grenze zwischen Archiv und Abfall scheint dabei flexibel: „Zwischen Kulturabfall und Kulturarchiv verläuft jene bewegliche, nicht festlegbare Grenze zwischen Wert und Unwert, die eine Sache des permanenten Aushandelns ist“17.

Als Entscheidungshilfe für die Einteilung zwischen Aufbewahren und Wegwerfen dient auch die Erinnerung, die mit einem Gegenstand verknüpft wird. Das Brockenhaus archiviert demnach Gebrauchsgüter und Alltagsgegenstände in einem Latenzgedächtnis als Erinnerungsraum. Im Archiv wird durch ein Aussonderungsprinzip und Wertmaßstäbe festgelegt, was gesammelt wird. Diese Auswahlkriterien sind je nach Zeit, Kultur und Gesellschaft verschieden. „Was der einen Epoche Abfall ist, ist der anderen kostbare Information.“18

Diesen Gedanken führt Thompson in seiner „Theorie des Abfalls“ konsequent weiter, wenn er meint, dass ein Weg, um eine Gesellschaft verstehen zu können, darüber führe, deren Abfall zu untersuchen. Das Brockenhaus versammelt dynamischen „Abfall“ in Thompsons Sinn, da die Zuschreibung zu den dauerhaften oder vergänglichen Objekten noch nicht vollzogen ist. Im Brockenhaus treffen Gegenstände aufeinander, die von gewissen Menschen als sammlungs- und gebrauchswürdig angesehen werden, während andere die gleichen Sachen eher entsorgen würden. Das Brockenhaus bildet deshalb eine interessante Schnittstelle, an der sich die kulturelle Wertigkeit von Gegenständen untersuchen lässt.

Zudem öffnet dieser Aspekt gleichzeitig noch eine weitere Interpretationsebene: Die meisten Kunden unterscheiden zwischen Gegenständen, die für sie nicht ins Brockenhaus gehören, weil sie sie als wertlos, Ramsch oder Müll betrachten, äussern aber auch ihr Befremden darüber, dass zum Teil sehr oder zu persönliche Sachen im Brockenhaus verkauft werden. Für einen Kunden hat gerade dieser Aspekt dazu geführt, mit dem Namen einer ihm bekannten Tessinerfamilie beschriftete Boccalinos zu kaufen, weil alle den Absender lesen können.

ERINNERUNG UND EKEL

Das Brockenhaus ist ein Erinnerungsraum, in dem Alltagsgegenstände auf eine Wiederentdeckung warten, ein Gegengedächtnis für das Weggeworfene, Verworfene und Vergessene. Was andere weggeben und vergessen bringt das Brockenhaus auch gegen den Willen wieder hervor. Es ist die flüchtige Alltagswelt, die sich dort auf eine besondere Art präsentiert und festhält, was für gewöhnlich nicht erinnert wird. Seien es Vergleiche und konkrete Erinnerungen an die eigene Kindheit oder eher vage an etwas, was die Eltern oder Grosseltern in dieser Form einmal besessen haben. Dieses Potential ist der Faktor, den die Gegenstände im Brockenhaus besonders macht, sie von anderen Gegenständen oder Gegenständen an anderen Orten unterscheidet.

Persönliche Dinge, die aus irgendeinem Grund unvollständig blieben, haben durch diese Unvollendetheit den Charakter eines abrupt aus der Zeit herausgerissenen Objektes. Sie wirken wie Fragmente des Lebens, aufbewahrt in einer Fundgrube des Vergessenen und Verlorenen. Das Brockenhaus ist vorerst die Endstation des Weges, den die Sachen gehen. Indem Gegenstände aus verschiedenen Generationen nebeneinander stehen, wird dergestalt gerade Zeit bewusst gemacht. Durch die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ wird im Brockenhaus die Vergänglichkeit von Modeströmungen, aber auch grundsätzlich die „Form der Zeit“19 materialisiert.

Das Denken an die früheren Besitzer kann zwiespältige Gefühle auslösen, die einige auch eher traurig oder zumindest melancholisch stimmen. Bei Privatfotografien ist die Herkunft der Sachen augenscheinlich, aber sie kann auch in einem Buch durch eine Inschrift, ein Exlibris oder eine Widmung oder auf einem Boccalino ersichtlich sein. Manche Kleidungsstücke sind mit eingestickten Namen gekennzeichnet.20 Es gibt viele gerahmte Dokumente, die absichtlich für die Erinnerung erstellt wurden. Es sind dies Auszeichnungen für geleistete Dienste, die Ehrung eines Stammgastes durch einen Ferienort „für zehnjährige Treue“ oder Abschiedsgeschenke „Im Andenken für 25jährige Firmentreue“. Dies kann auch etwas befremden. Die Rührung, die von den Dingen ausgehen kann, muss nicht immer zum Kauf führen. Ich habe im Brockenhaus Auszüge aus einem Tagebuch von einer Frau gelesen, die über ihre Erfahrungen nach einer Kontaktanzeige Buch führte. Detailliert schrieb sie Berichte zu den einzelnen Männern. Der intime Einblick in ein Buch, das garantiert nicht für die Öffentlichkeit gedacht war, hat mich fasziniert und gefesselt, andererseits, da sehr persönlich, auch abgeschreckt, so dass ich das Heft zurückgelegt habe.

Die Geschichte der Gegenstände, die aus einem fremden Haushalt stammen, ist über einen Prozess zu erwecken oder zu verdrängen. Gewisse Kunden tragen beim Besuch im Brockenhhaus Handschuhe. Wenn jemand Ekel vor dem Anfassen von gebrauchten Waren hat, so wäre zu vermuten, dass diese Person gar nicht erst ins Brockenhaus geht oder die Sachen nur betrachtet und nicht anfasst. Da muss die Motivation oder die Leidenschaft für gewisse Sachen offenbar grösser sein als der Ekel21. Manchmal braucht es einen handfesten Aneignungsprozess, damit diese Gegenstände überhaupt in das eigene Leben übernommen werden können. Dies äußert sich etwa durch das gründliche Reinigen, Putzen, Polieren, Waschen, Abändern, Umnähen und Umnutzen der Gegenstände, was auch als Zeichen von Kreativität zu werten ist.22 Die ursprüngliche Nutzung wird damit verändert. Nach eigenen Kriterien und Fähigkeiten entstehen aus den alten Sachen neue Objekte. Die Sachen im Brockenhaus müssen nicht unbedingt über einen Gebrauchswert verfügen, sondern können auch Ersatzteile oder Rohstoff für etwas Neues sein.

Jede Zeit besitzt ihre eigene Dingwelt, jede Generation ihre spezifische Objektwelt des Erinnerns. „Erinnerungsobjekte speichern die Erinnerung in ritueller Dialogform: die Geschichte wird nicht ständig im Kopf bewegt, sondern der Gegenstand spricht sie an – wenn man sich seiner bedient.“23 Es scheint eine kulturelle wie psychische Notwendigkeit des Vergessens zu geben. Potentiell steckt hinter jedem Gegenstand eine Geschichte. Die Frage, ob eine Sache aufhebenswert erscheint, kann bereits zum Anfang einer Geschichte gehören.24 Analog dazu steht die Frage nach der Weggabe einer Sache ins Brockenhaus am Ende einer solchen Geschichte und vielleicht am Anfang einer ganz neuen.

MUSEALISIERUNG UND MUSEOPHILE NEIGUNG

Gewisse Gegenstände werden gekauft, weil sie alt sind, andere des Alters wegen ins Brockenhaus gebracht. Die Temporalität der Sachkultur selbst ist im Trend zur Musealisierung von Alltagskultur zu beobachten. War früher die Lebenskette der materiellen Kultur nach intensiver Nutzung und intensiver Affektbesetzung auf das Ende hin ausgerichtet, so verläuft heute die Kette der Sachen über das Abfallprodukt zum überhöhten Zeichen. Durch den Kauf eines Gegenstandes kann versucht werden, sich eine frühere Zeit anzueignen und, wie dies Henri Pierre Jeudy in seinen „Erinnerungsformen des Sozialen“ beschreibt, die museophile Neigung des Menschen befriedigt werden. Hermann Lübbe interpretiert diesen Vorgang als Kompensationsleistung in einer Zeit, in der sich Welt und Werte wie auch die dingliche Umwelt in einem rasanten Wandel befindet und beschreibt dies vor dem Hintergrund einer so bezeichneten „Gegenwartsschrumpfung“.25

Mancherorts wird der Niedergang der Gebrauchsgüterindustrie beklagt und nicht nur als wirtschaftlichen, sondern vielmehr als kultureller Verlust gewertet. Im Brockenhaus hat es Produkte aus einer vergangenen Zeit, die auch für solides Handwerk und Funktionstüchtigkeit stehen. Sie sind reparierbar, haben eine lange Lebensdauer und sind aus diesem Grund umweltverträglich. Diese Qualität einer älteren Gebrauchsgegenständegeneration wird geschätzt und einer billigeren, neueren Ausführung vorgezogen. Diese vermeintliche Qualität kann als Romantisierung eines vergangenen Alltags verstanden werden, in der nicht nur die Dinge, sondern alles besser war. Das Brockenhaus ist somit auch ein Ort der Nostalgie.

Die Nachfrage nach Qualitätswaren ist im Steigen, wie der Erfolg der Firma Manufactum beweist, welche als Brockenhaus für die Wohlhabenden bezeichnet werden kann.26 Der Slogan der Firma lautet folgerichtig „Es gibt sie noch, die guten Dinge“. Die Suche nach diesen Alltagsgegenständen auf Trödlermärkten und in Brockenhäusern wird von Manufactum damit erklärt, dass die Gegenwart den Alltagsgeräten nur noch eine äusserst kurzlebige Gebrauchsdauer zuschreibt und gönnt. Der „Verlust der Kontinuität“ wird denn auch von anderen bedauert, die damit die museophile Neigung erklären wollen. Gerade die Kinder der ersten Generation der Wegwerfgesellschaft suche diese Qualität wieder, was mit einer museophilen Neigung oder Nostalgie nur unzureichend erklärt werden kann.

Die Wegwerfartikel der Massengesellschaft landen vornehmlich im Müll und nicht im Brockenhaus, was nicht heisst, dass es dort keine Plastikgegenstände gibt, im Gegenteil.27 Dies kann ein Anlass zur Sorge um die Zukunft der Brockenhäuser sein, denn bereits stehen vereinzelt Sachen aus der heutigen Zeit, Gegenstände, die Zuhause noch in Gebrauch sind, schon im Brockenhaus, was vielleicht eine Neuanschaffung auslösen kann. In der Regel beschäftigen sich die Wissenschaft und die Museen erst mit der Kultur einer Gesellschaft, wenn ein gewisser zeitlicher Abstand besteht, der allenfalls einen Gesamtüberblick erlauben kann. Das Museum und in diesem Sinn auch das Brockenhaus greifen in die Bedeutungsstruktur ein, indem Objekte nur schon durch ihre Konservierung umgedeutet werden. Der ohnehin schon schnelle Prozess der Verwertung der Dinge wird durch ein Museum der Alltagskultur noch zusätzlich beschleunigt, mahnen Kritiker.28

Es gibt berechtigterweise kritische Stimmen zum kollektiven und kulturellen Gedächtnis, das sich auch in der Alltagskultur, dem Nebensächlichen und Ephemeren zu manifestieren glaubt. Solche Kritik zeigt klar die Grenzen und Schwierigkeiten in den Diskussionen um die Musealisierung von Alltags- und Gebrauchsgegenständen auf. Die im Brockenhaus, beim Trödler oder auf dem Flohmarkt aufgetriebenen, restaurierten und ausgestellten Stücke haben unter anderem mit der Aktualisierung der museophilen Neigungen im Alltag zu tun.29 Diese Gegenstände besitzen zwar die Fähigkeit zur symbolischen Darstellung von Lebensweisen, bleiben aber ohne die mündlichen oder schriftlichen Berichte der Menschen blosse Zeichen. Die kulturwissenschaftliche Erforschung der Alltagsdinge muss somit Verantwortung wahrnehmen und darf nicht bloss bei einer Nostalgiewelle mitwirken.

Auf dem Weg zu einem umfassenden kulturwissenschaftlichen Zugang hin muss die Reziprozität der materiellen Kultur – Menschen formen Dinge/Dinge formen Menschen – zentral gesetzt werden, um Sachen als Indikatoren von kulturellen Prozessen zu bewerten.

RESERVOIR UND REFUGIUM

Das Brockenhaus ist ein Abbild der Gebrauchswarenwelt einer Zeit, mit all ihren Modeströmungen. Es ist ein Symptom und Emblem unserer Zeit und ihres Umgangs mit dem kulturellen Erinnern und Vergessen. Es bringt die unsichtbaren Strukturen kultureller Wert- und Unwertigkeit hervor, verwaltet das von der Zivilisation Ausgemusterte und bündelt die Zeit. Was derzeit im Latenzzustand im Brockenhaus existiert, kann von einer späteren Epoche wieder entdeckt werden. Die mit den Alltagsgegenständen verknüpften Handlungsanweisungen gehören als in den Dingen abgelagertes Wissen, als materielle Objektivationen zum kulturellen Gedächtnis – sie machen es dingfest.

Die andere Zeit, die aus den Dingen ablesbar ist, erzeugt Reflexionen über Qualitätsstandards, handwerkliche Fertig- und Fähigkeiten und löst eine Nostalgie, aber gleichsam auch Gedanken an die Zukunft aus. Die Diskussionen über die immer schnellere Verwertung von Ideen und Dingen führen dazu, die Geschichte der Alltagskultur als Geschichte der Entfremdung zu lesen. Die Nostalgiewelle und die museophilen Neigungen erweisen sich jedoch als Falle, wenn versucht wird, das Brockenhaus nur aus dieser Perspektive zu betrachten. Das Brockenhaus ist kein konservativer Raum – die mögliche und offene Neubewertung der Gegenstände macht es zu einem dynamischen Ort. Das Brockenhaus als Archiv des Alltäglichen ist ein Reservoir für das Neue. So gesehen hat das Brockenhaus in mehrerer Hinsicht Seltenheitswert: als Nischenplatz für einen Teil der Angestellten und der Kundschaft, aber auch als Refugium, als von der üblichen hektischen Einkaufswelt abgesetzter Erlebnisraum und Ort der Kontemplation.

Anmerkungen:
1.) Ich verstehe dabei Alltag als einen Erfahrungsraum, der durch eine spezifische Wahrnehmungsform geprägt wird, insbesondere durch spontanes und unreflektiertes Erleben. Nach Hans Georg-Soeffner beruht die generative Struktur des Alltags „auf einem besonderen Typus der Erfahrung, des Handelns und des Wissens.“ Soeffner, Hans-Georg: Auslegung des Alltags – Der Alltag als Auslegung, 1989: 15.
2.) In der Forschungsliteratur wird zwischen Müll und Abfall unterschieden. Als Müll wird alles nicht mehr Weiterverwendbare bezeichnet, als Abfall weiterverwendbarer Rohstoff. Gudrun Silberzahn-Jandt: Die Allgegenwart des Mülls, 1996: 48.
3.) Vgl. 75 Jahre Zürcher Brockenhaus 1904-1979. Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen des Vereins Zürcher Brockenhaus. Zusammengestellt von Alfred Messerli, 1979: (o.S.) p: 2.
4.) Mit dem Homo Collector und dem Phänomen des Sammelns befassen sich aus philosophischer Warte: Sommer, Manfred: Sammeln. Ein philosophischer Versuch, 1999. Aus anthropologischer Perspektive beleuchtet: Sammler – Bibliophile – Exzentriker, Hg. Aleida Assmann 1998.
5.) Köstlin, Konrad: Die Sammlervitrinen und das Lebensmuseum, 1994: 205.
6.) Köstlin 1994: 202. Über das Sammeln s. a. Zacharias, Wolfgang: Selbstmusealisierung: Das Spiel mit autobiographischen Gegenständlichkeiten, 1990.
7.) Die Volkskunde beschäftigt sich seit je her mit den Überresten und „Überlebseln“, hat den Sachgütern traditionellerweise den gleichen Rang zugewiesen wie den Sprachgütern. In der volkskundlichen Forschung bewegen sich die Diskussionen heute v.a. im Bereich der Sachkulturforschung und der Museologie. Allgemein: Zeitphänomen Musealisierung. Das Verschwinden der Gegenwart und die Konstruktion der Erinnerung. Hg. Wolfgang Zacharias, 1990.
8.) Stefan Beck fordert zudem eine Verbindung von handlungs- und praxistheoretischer Interpretationsansätze im Umgang mit Alltagsdingen, welche der Materialität der Alltagsdinge wieder vermehrt Beachtung schenkt. Beck, Stefan: Die Bedeutung der Materialität der Alltagsdinge 1997. Aber auch generell gibt der Vergleich des unterschiedlichen Umgangs mit Sachen in Knappheits- und Wohlstandsgesellschaften, in Agrar- und Industriemilieus, wichtige Aufschlüsse über die zivilisationsgeschichtliche Struktur-, Verlaufs- und Differenzierungsformen. Korff, Gottfried: Mind in Matters, 1996: 27.
9.) Korff, Gottfried: Dinge unsäglich kultiviert, 1999: 279.
10.) Korff, Gottfried: Zur Faszinationskraft der Dinge, 2000: 345.
11.) Ruppert, Wolfgang: Zur Kulturgeschichte der Alltagsdinge, 1993: 22ff, der die verschiedenen Aspekte auflistet und diskutiert.
12.) Frerichs, Klaus. Die gespiegelte Ambivalenz, 1997: 134.
13.) Pomian, Krzysztof: Der Ursprung des Museums, 1988. Der „Semiophor“ ist ein Zeichen für etwas Unsichtbares, eines unscheinbaren Überrests ohne Nützlichkeit, das mit Bedeutung versehen ist.
14.) Thompson, Michael: Die Theorie des Abfalls, 1981: 159.
15.) Thompson 1981: 46.
16.) A. Assmann: Erinnerungsräume 1999: 23.
17.) Assmann 1999: 392.
18.) Assmann 1999: 346.
19.) Kubler, Georg: Die Form der Zeit, 1982.
20.) Dies wird u.a. in den Altersheimen gemacht, damit die Kleider nach der Wäscherei wieder zu den richtigen BesitzerInnen kommen.
21.) Beim Aussortieren im Lager des Brockenhauses, bevor die Waren in die Läden gebracht werden, scheint das Tragen von Handschuhen noch eher angemessen, doch die Angestellten dort tragen keine.
22.) Zu dieser Kreativität: Flick-Werk. Reparieren und Umnutzen in der Alltagskultur, 1983.
23.) Kuntz, Andreas: Erinnerungsgegenstände, 1995: 65. Kuntz versucht der spezifischen Funktion von Erinnerungsgegenständen auf die Spur zu kommen und vermutet, dass in den Erinnerungsobjekten zwar etwas Erinnernswürdiges aber nicht Erzählenswertes steckt.
24.) Kuntz 1995: 77.
25.) So etwa Lübbe, Hermann: Zeit-Verhältnisse, 1990.
26.) Manufactum, www.manufactum.ch, „Wir über uns“, Stand Juli 2001. Das Sortiment wird mit einer bewusst fortschrittskeptischen Grundhaltung ausgewählt. Katalog Nr. 1 erschien in der Schweiz im Winter 1999/2000. Die Preise bewegen sich zwischen 3 und 3000 Franken.
27.) Auf die paradoxe Verschränkung von Dauerhaftigkeit und Abfall geht Jürgen Dahl ein: Papiertaschentuch und Atomreaktor, 1995: 202.
28.) Speziell für ein Museum der Alltagskultur gilt die Tatsache, dass es zu einem Zeitpunkt eingreift, während sich die Sachen außerhalb des Museums noch im alltäglichen Gebrauch befinden. Zu diesen Diskussionen: Fortschritt, Norm und Eigensinn: Erkundungen im Alltag der DDR. Hg. Andreas Ludwig, 1999 sowie: Alltag und soziales Gedächtnis, Hg. Gerd Kuhn, Andreas Ludwig, 1997.
29.) Jeudy, Henri Pierre: Erinnerungsformen des Sozialen, 1990: 113.
Literatur
Alltag und soziales Gedächtnis: Die Objektkultur und ihre Musealisierung. Hg. Gerd Kuhn, Andreas Ludwig. Hamburg 1997.
Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999.
Beck, Stefan: Die Bedeutung der Materialität der Alltagsdinge. Anmerkungen zu den Chancen einer wissenschaftstheoretisch informierten Integration von Symbol- und Sachforschung. In: Symbole: zur Bedeutung der Zeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongress in Karlsruhe vom 25. bis 29. September 1995. Hg. Rolf Wilhelm Brednich, Heinz Schmitt. Münster, New York, München, Berlin 1997: 175-185.
Dahl, Jürgen: Papiertaschentuch und Atomreaktor. Aspekte der Dauerhaftigkeit, auch im weiteren Sinne. In: Welche Dinge braucht der Mensch? Hintergründe, Folgen und Perspektiven der heutigen Alltagskultur; Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung. Hg. Im Auftrag des Deutschen Werkbundes Hessen von Dagmar Steffen. Giessen 1995: 199-205.
Flick-Werk. Reparieren und Umnutzen in der Alltagskultur. Begleitheft zur Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart 1983. Hg. Ludwig-Uhland-Institut für empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart/Volkskundliche Sammlung. Stuttgart 1983.
Fortschritt, Norm und Eigensinn: Erkundungen im Alltag der DDR. Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR. Hg. Andreas Ludwig. Berlin 1999.
Frerichs, Klaus: Die gespiegelte Ambivalenz. Zur Musealisierung der DDR-Produktskultur. In: Alltag und soziales Gedächtnis: Die Objektkultur und ihre Musealisierung. Hg. Gerd Kuhn, Andreas Ludwig. Hamburg 1997: 133-147.
Jeudy, Henri Pierre: Erinnerungsformen des Sozialen. In: Das historische Museum: Labor, Schaubühne, Identitätsfabrik. Hg. Gottfried Korff, Martin Roth. Frankfurt a.M., New York, Paris 1990: 107-145.
Korff, Gottfried: Mind in Matters. Anmerkungen zur volkskundlichen Sachkulturforschung. In: Alltagskultur im Umbruch: (Festschrift für Wolfgang Jacobeit zu seinem 75. Geburtstag. Hg. Wolfgang Kaschuba. Weimar, Köln, Wien 1996: 11-28.
Korff, Gottfried: Antisymbolik und Symbolanalytik in der Volkskunde. In: Symbole: zur Bedeutung der Zeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongress in Karlsruhe vom 25. bis 29. September 1995. Hg. Rolf Wilhelm Brednich, Heinz Schmitt. Münster, New York, München, Berlin 1997: 11-30.
Korff, Gottfried: Dinge: unsäglich kultiviert. Notizen zur volkskundlichen Sachkulturforschung. In: Netzwerk Volkskunde: Ideen und Wege. Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag. Hrsg. für den Verein für Volkskunde von Franz Grieshofer und Margot Schindler. Wien 1999: 273-290. (Sonderschriften des Vereins für Volkskunde in Wien; Band 4).
Korff, Gottfried: Zur Faszinationskraft der Dinge. Eine museumshistorische Reflexion in Bildern. In: Volkskultur und Moderne. Europäische Ethnologie zur Jahrtausendwende. Festschrift für Konrad Köstlin zum 60. Geburtstag am 8. Mai 2000. Hrsg. Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. Wien 2000: 341-354.
Köstlin, Konrad: Die Sammlervitrinen und das Lebensmuseum. In: Innovation und Wandel. Festschrift für Oskar Moser zum 80. Geburtstag. Hg. Burkhard Pättler, Helmut Eberhart, Elisabeth Katschning-Fasch. Graz 1994: 199-211.
Kubler, Georg: Die Form der Zeit. Anmerkungen zur Geschichte der Dinge. Frankfurt 1982.
Kuntz, Andreas: Erinnerungsgegenstände. Ein Diskussionsbeitrag zur volkskundlichen Erforschung rezenter Sachkultur. In: Ethnologia Europaea 1990; XX 61-80.
Lübbe, Hermann: Zeit-Verhältnisse. Über die veränderte Gegenwart von Zukunft und Vergangenheit. In: Zeitphänomen Musealisierung. Das Verschwinden der Gegenwart und die Konstruktion der Erinnerung. Hg. Wolfgang Zacharias. Essen 1990: 40-49.
Manufactum. Anschrift in der Schweiz: Industriestr. 19, 8112 Otelfingen. Internet: www.manufactum.ch
Pomian, Krzysztof: Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln. Berlin, 1988. (Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek; Band 9).
Ruppert, Wolfgang: Der verblassende Reiz der Dinge. Die Produktion von Bedeutung als Teilschicht der Objektgeschichte in der industriellen Massenkultur. In: Alltag und soziales Gedächtnis: Die Objektkultur und ihre Musealisierung. Hg. Gerd Kuhn, Andreas Ludwig. Hamburg 1997: 217-229.
Sammler – Bibliophile – Exzentriker. Hg. Aleida Assmann, Monika Gomille, Gabriele Rippl. Tübingen, 1998. (Literatur und Anthropologie; Band 1).
Silberzahn-Jandt, Gudrun: Die Allgegenwart des Mülls. Ansätze zu einer geschlechtspezifischen Ethnographie von Müll und Abfall. In: Zeitschrift für Volkskunde 1996; 92: 48-65.
Soeffner, Hans-Georg: Auslegung des Alltags – Der Alltag als Auslegung. Zur wissenssoziologischen Konzeption einer sozialwissenschaftlichen Hermeneutik. Frankfurt a.M. 1989.
Sommer, Manfred: Sammeln: ein philosophischer Versuch. Frankfurt a.M. 1999.
Thompson, Michael: Die Theorie des Abfalls. Über die Schaffung und Vernichtung von Werten. (engl. Rubbish Theory. The creation and destruction of value 1979). Stuttgart 1981.
Zacharias, Wolfgang: Selbstmusealisierung. Das Spiel mit autobiographischen Gegenständlichkeiten. In: Zeitphänomen Musealisierung. Das Verschwinden der Gegenwart und die Konstruktion der Erinnerung. Hg. Wolfgang Zacharias. Essen 1990: 136-150.
Zeitphänomen Musealisierung. Das Verschwinden der Gegenwart und die Konstruktion der Erinnerung. Hg. Wolfgang Zacharias. Essen 1990.
75 Jahre Zürcher Brockenhaus 1904-1979. Jubiläumsschrift zum 75jährigen Bestehen des Vereins Zürcher Brockenhaus. Zusammengestellt von Alfred Messerli, 1979.
JANINE SCHILLER, lic. phil., Studium der Volkskunde, Sozialgeschichte und Philosophie an der Universität Zürich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (janine.schiller@hgkz.ch). – Der vorliegende Text basiert auf Janine Schillers Lizentiatsarbeit „Archiv oder Abfall? – Das Brockenhaus als Gedächtnis der Alltagskultur. Text und Videofilm“ Universität Zürich 2002, welche die Resultate der theoretischen Überlegungen und einer ethnographischen Recherche in verschiedenen Brockenhäusern der Stadt Zürich festhält.
ERIC HATTAN, Jahrgang 1955, lebt als freischaffender Künstler in Basel und Paris. Seit Anfang der Neunzigerjahre fotografiert er auf seinen Spaziergängen Sperrmüll am Straßenrand (hattan@freesurf.ch).