Gespräche mit Künstlern , 2003

BJØRN MELHUS

SAME, SAME BUT DIFFERENT ODER: DIE SUCHE NACH DEM EIGENEN ICH IST EINE UNMÖGLICHKEIT

EIN GESPRÄCH MIT ULRIKE LEHMANN

Ich weiß nicht, wer das ist!“ war eines der ersten Videos von Bjørn Melhus. Es entstand 1991 und ist ein dreiminütiges Selbstporträt, für das er verschiedene Stimmen aus unterschiedlichen Spielfilmen genutzt hat. Seitdem schlüpft Melhus in andere Kostüme, ist immer wieder ein Anderer und inszeniert dabei die Begegnung mit anderen Personen, die immer wieder er selbst ist. In „Das Zauberglas“, ebenfalls von 1991, sitzt er als Mann vor dem Fernseher und spricht mit einer Frau, in die er sich verliebt. Als er ihr näher kommen will, verschwindet sie, indem sie sich im Fernsehschnee auflöst. Auch hier hört der Betrachter bekannte Stimmen von amerikanischen Schauspielern. Melhus meets Melhus – hier in einer Dialogsituation zwischen Mann und Frau, und in „No Sunshine“ von 1997 sind es zwei aufgepoppte Playmobilfiguren mit den Kinderstimmen von Michael Jackson und Stevie Wonder die in ihrer ewigen Jugend gefangen sind. In „Again & Again“, 1998, einer Videoarbeit auf acht Monitoren, multipliziert er sich immer wieder, eingebettet in ein grünes Blatt, so frisch wie die neue Natur. Diese Arbeit entstand ein Jahr nach Bekanntgabe der Geburt des geklonten Schafes Dolly.

Auch in seinen aktuellen Video- und Filmarbeiten – für die er mittlerweile die Form des Single Channel Videos verlassen hat zugunsten einer bühnenartigen Rauminstallation wie „Primetime“- begegnet sich Melhus in den Rollen aller auftretenden Figuren.

Der Videofilm „The Oral Thing“ von 2001 zeigt ihn als Fernsehpriester und zugleich spielt er zwei Kinder…

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von Ulrike Lehmann

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