Titel: Theorien des Abfalls · von Angelika Affentranger-Kirchrath · S. 46
Titel: Theorien des Abfalls , 2003

SHORT CUTS 1: URS LÜTHI

AGGRESSIVE AKTION

Vier Videofilme gewähren Einblick in Urs Lüthis kleine Abenteuer. Man schaut ihm zu, wie er zum Sprung ansetzt und im nächsten Moment plump auf dem Boden landet. Seine Flugversuche sind vergeblich. Ein anderes Mal traktiert er eine Kommode mit einem Hammer und schlägt sie in Stücke (siehe Fotos rechts), oder er balanciert einen Berg Geschirr, der ihm aus den Händen gleitet und in tausend Scherben zerbricht. Zum modernen Sisyphus wird Lüthi, wenn er in einer folgenden Sequenz die Scherben wieder zu kitten versucht. Das Vergebliche zu wagen, scheint der Grundimpuls dieses Künstlers zu sein.

Mit multimedialer Vielsprachigkeit begabt, führt Lüthi den Jogger auch als polychrome Plastik aus und stellt ihn auf ein Podest (siehe Foto oben). Hier begegnen wir dem mit Hammer bewehrten Sportler nach vollbrachter Tat. Er hat die Schlacht gegen die Kommode gewonnen. Die herumliegenden Holzteile belegen die vorangegangene aggressive Aktion. Die zum Denkmal stilisierte Figur schaut allerdings nicht siegesgewiss in die Runde. Hinter der schwarz umrandeten Brille zeigt sich ein verstörter Blick, der das Wissen um die Sinnlosigkeit seines Agierens widerspiegelt. – Angelika Affentranger-Kirchrath, in: „Neue Zürcher Zeitung“, Nr. 76 vom 1. April 2003.

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von Angelika Affentranger-Kirchrath

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