Titel: Theorien des Abfalls · von Urs Steiner · S. 48
Titel: Theorien des Abfalls , 2003

SHORT CUTS 2: ISA GENZKEN

SZENOGRAPHIEN AUS ZIVILISATIONSMÜLL

Was macht ein Ding zur Skulptur? – Wir haben es bei Marcel Duchamp gelernt: Es ist der Sockel. Gleich 22 Mal stehen wir bei Isa Genzkens neuster Arbeit „Empire, Vampire, Who kills Death“ in der Kunsthalle Zürich also vor einer Skulptur – und sehen doch eigentlich 22 kleine Miniatur-Installationen auf 22 Podesten. Aus Zivilisationsmüll wie Gläsern, Vasen, Brot, Spielzeug, Merchandising-Figuren sowie allerlei Plastik- und Metallkram aus dem Baumarkt hat die 1948 geborene Deutsche eine raumfüllenden Kunstkosmos geschaffen. Was ihr gerade in die Finger kam, verarbeitete Isa Genzken zu kleinen Szenographien, die sie auf den Sockel hob.

Die Miniaturbühnen zeigen neben poetischen Bastel-Stillleben auch schauderhafte Märklin-Landschaften an einem halluzinierten day after – aktueller geht’s nicht. Es ist der Tag nach der Apokalypse oder vielleicht auch der Tag, an dem der Schöpfer durchgedreht ist. Jedenfalls liegen allerorten im Kampf gefallene He-Man-Figuren herum, zerstörte Spielzeugpanzer drohen von einstürzenden Spiegelfolien-Fassaden begraben zu werden. Isa Genzkens Kunst besticht durch ihre physische Präsenz. – Wer Isa Genzkens Ausstellung gesehen hat, wird fortan anders durch die Do-it-Abteilung der Kaufhäuser flanieren. – Urs Steiner, in: „Neue Zürcher Zeitung“, Nr. 70 vom 25. März 2003

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