Titel: Theorien des Abfalls · von Hans-Werner Schmidt · S. 62
Titel: Theorien des Abfalls , 2003

SHORT CUTS 9: JARG GEISMAR

GARBAGE CANS

Ein amerikanischer Kritiker würde im spontanen Zugehen sicherlich den Werkkomplex „Garbage Cans“ von Jarg Geismar (geboren 1958 in Schweden) in einem spezifischen amerikanischen Kontext diskutieren. So wäre hier auf die „Ash Can School“ zu verweisen (1908 gegründet durch Georg Luks, John Sloan und Arthur B. Davis). Thema dieser Malergruppe – die das Müllbehältnis programmatisch im Gruppennamen benennt – war die vom Prozess der Industrialisierung gezeichnete Großstadt mit all ihrem Schmutz und Gestank. …

Geismar greift in seinen Arbeiten auf neuwertige „Cans“ zurück. Es ist ihre Materialqualität, die für ihn Ansatzpunkt des reflexiven Umgangs ist. Aluminium glänzt, und auf der Jagd nach dem Dollar ist alles, was diesen Schein trägt, wertvoll. Die Tonnen sind galvanisiert, wetterbeständig, „für die Ewigkeit“ gemacht und bergen dabei trotz dieses Eigenwertes den täglichen Müll, die trivialen Zeichen von Vergänglichkeit, und sie sind in die schmutzigen Nischen des großstädtischen Gefüges verbannt. Die „Garbage Cans“ symbolisieren für Geismar das Leben auf der Strasse, die Solidarität unter den unter freiem Himmel Lebenden. – Hans-Werner Schmidt, in: „Apex“, Nr. 4/1988 (auszugsweise zitiert).

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