Ausstellungen: München · von Justin Hoffmann · S. 434
Ausstellungen: München , 1996

Justin Hoffmann

André Cadere

»Unordnung herstellen«

Kunstverein, 25.1. – 24.3.1996

Fehler können nur begangen werden, wenn eine Ordnung mit fixierten Regeln besteht. Permutation nennt sich in der Mathematik solch ein Ordnungssystem. Es bedeutet, daß Zahlenreihen auf eine festgelegte Weise variiert werden. Nach diesem Prinzip sind Caderes charakteristische Holzstäbe aus einzelnen gleichgroßen Segmenten zusammengesetzt, wobei die Farben hier die Rolle der Zahlen übernehmen. Die einzelnen Holzteile und ihre Bemalung sind im Gegensatz zu den meisten Minimal- und Concept-Artisten, die nach ähnlichen Methoden arbeiten, vom Künstler selbst gemacht. Die einzelnen Segmente zeigen unterschiedliche, aber innerhalb eines Stabes wiederkehrende Farben. Das System, nachdem die Reihenfolge der Farben bestimmt wird, ist zwar jenes der Permutation. Doch das Besondere, was ihn von seriellen Künstlern wie Richard Paul Lohse unterscheidet, ist, wie schon betont, das Einbauen eines Fehlers, der erst bemerkt wird, wenn man das System durchschaut und die Anordnung unter diesem Aspekt nachprüft. Der Fehler verlangt somit eine nähere Beschäftigung mit dem Werk des Künstlers. Dieser wird durch das einfache Vertauschen zweier Segmente erzeugt, mit der Einschränkung, daß sich gleiche Farben auch dann nicht angrenzen dürfen.

Einen Stab als Ausdrucksmittel zu benutzen, bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Seine vertikale Ausdehnung zwingt zu einer ungewohnten Rezeption. So kann der Betrachter den grellfarbigen Stab nie in einem Blick erfassen. Sein Auge muß das Werk gleichsam abwandern. Außerdem sind Caderes Stäbe mobil, d.h. sie können leicht transportiert werden. Was sie dazu prädestiniert, sie für verschiedene Zwecke und Orte einzusetzen. Sie werden nicht für eine bestimmte räumliche Situation produziert, vermögen aber fast alle…

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