Ausstellungen: Düsseldorf / Wolfsburg · von Jochen Becker · S. 397
Ausstellungen: Düsseldorf / Wolfsburg , 1998

Jochen Becker

ANDREAS GURSKY

„Fotografien 1984 bis heute“, Kunsthalle Düsseldorf, 29.8. – 18.10.1998

„Fotografien von 1994-1998“, Kunstmuseum Wolfsburg, 23.5. – 23.8.1998

Rhein‘, 1996, 186 x 222 cm: Oberhalb der bildmittig angesetzten Horizontlinie ein Nichts aus grauem Himmel, darunter Streifen aus Gras, Ufer, Wasser, Gras, Uferweg, Gras. Schnurgerade, farbarm und nahezu gegenstandslos – der ,Rhein‘ präsentiert sich als bislang trostlosestes Bild des ansonsten in Bergpanoramen schwelgenden Rheinländers Andreas Gursky. Hart am Ufer ist der Stumpf einer orangenen Metallstange erkennbar, die auf Linie der Wasserfläche abgeschnitten wirkt. Die chaotisch gekräuselten Wellen wurden, wo einmal der ganze Mast stand, glättend nachbearbeitet. Und nicht nur die Stange, sondern gleich eine ganze Fabrik soll laut Katalog der Horizontlinie geopfert worden sein.

So jedenfalls ist der Rhein an keiner Stelle auffindbar. Wo die Realität nicht genug hergibt, arbeitet der Düsseldorfer Fotograf mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop nach. „Paradoxerweise ist das gültige Bild vom Rhein vor Ort nicht anzutreffen und es bedarf einer fiktiven Konstruktion“, schreibt er hierzu dem Wolfsburger Kurator Veit Görner. „Seit 1992 nutze ich bewußt die Möglichkeiten der elektronischen Bildbearbeitung, um formale Komponenten bildwirksam zu verstärken oder z.B. perspektivisch nicht zu lösende Bildideen künstlich umzusetzen.“ In einem Interview mit der Wiener Zeitschrift Eikon (Heft 21/22, 1997) erläutert Gursky den langen Erarbeitungsprozeß: „Ich habe dann wirklich eineinhalb Jahre diese Bildidee mit mir herumgetragen und überlegt, ob ich vielleicht den Standort ändern müßte … schließlich habe ich mich dann für die Digitalisierung des Bildes entschieden und störende Elemente ausgespart.“

Wie noch die – zusätzliche – Zurichtung per Computerprogramm nahelegen könnte, ist der so…

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