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Titel: Künstlerpaare · S. 221 - 221
Titel: Künstlerpaare , 1990

Annamaria & Marzio Sala

Annamaria und Marzio Sala eröffnen mit ihren Arbeiten neue Denk- und Vorstellungsmöglichkeiten, mit denen sich alte Fragen in neuer Weise stellen und überraschend beantworten lassen. Ihre Kunst ist an den Grenzen der Wissenschaften entstanden, dort, wo die Reflexion endet und ein generierendes Denken erscheint. Der Kunst wurde systematisch und in Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen von Philosophie und Wissenschaft ein Ort erarbeitet, der sie als „ultima ratio“ kenntlich macht; der Weisheit letzter Schluss nicht nur in metaphorischem Sinne. Tatsächlich entdeckt das Denken Kunst jenseits aller wissenschaftlichen Systeme als Quelle der eigenen Rationalität. Die Vorstellung eines Prinzips aller Prinzipien hat sich in der Geistesgeschichte als problematisch erwiesen. Annamaria und Marzio Sala lassen deshalb das Mentale selbst arbeiten, um das drohende Paradox durch einen ebenso einfachen wie produktiven mentalen Kurzschluß als Trugbild zu entlarven, um dabei auch noch den Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaften zu verdeutlichen. „Kunst“ erscheint als ein selbstgenerierendes, zeitliches System: „Zeitzeit“, Begriffe, Zeichen, Signale markieren wie Farben oder Formen in Gemälden dieses System, das – indem man es zu verstehen versucht – unversehens zu arbeiten beginnt: im Kopf des Betrachters. Als „Werk“ gilt nicht das Objekt, auf das die beiden Künstler radikal verzichten. Als Werk lassen sich eher die Perspektiven verstehen, die dieses ungewöhnliche Nachdenken dem Betrachter vermittelt. Werk ist aber vor allem die Dynamik des Denkens selbst, das eine Intuition des Funktionierens von Kreativität erfahrbar macht, ebenso präzise wie vergänglich.

Stephan Schmidt-Wulffen,
Ultima Ratio, in: Ausst.-Kat.: documenta 8, Kassel 1987.

Veröffentlichungen im KUNSTFORUM:
Klaus Honnef, Tagebuch, Bd….

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