Kommentar , 1990

Armer Vincent: Die Vermarktung eines Unglücklichen

Schaugeschäft, Souvenirs und Robert Altmans Film

von Amine Haase

Am 30. März 1853 wurde Vincent von Gogh in Groot Zundert/ Brabant geboren; am 29. Juli 1890 starb er in Auvers-sur-Oise nahe Paris. Am 30. März 1990 eröffnete die holländische Königin die bislang spektakulärste Doppelausstellung mit Bildern und Zeichnungen eines Künstlers, dessen Werk in einem geradezu unmenschlichen Kraftakt in kaum mehr als zehn Jahren wuchs; eines Künstlers, der seine Vorbilder fast ausschließlich in Frankreich, vor allem bei den Künstlern des Nach-Impressionismus, fand. Die Niederlande unterstreichen mit dem Schau-Spiel in Amsterdam und Otterlo ihren Anspruch auf einen Nationalhelden. In welchem Lichte sie ihren Heroen sehen, kennzeichnen bereits das Anfangs- und das Enddatum des Auftritts: Das Werk Vincent van Goghs ist von seinem Leben nicht zu trennen – zwischen der Geburt – genau ein Jahr nachdem ein Bruder, der ebenfalls Vincent gennannt worden war, tot geboren wurde – und seinem Tod, dreißig Stunden nachdem er sich eine Kugel in die Brust geschossen haben soll.

Auch diese Doppelausstellung, die nur mit Vorausreservierung von Tag und Eintrittsstunde zu besichtigen ist, zeigt: Van Goghs Bilder (und Zeichnungen) legen immer wieder Verweise auf die Umstände nahe, unter denen sie entstanden; die Bildbetrachtung ist nicht von einer Deutung zu trennen, die mit der Person des Künstlers verbunden ist. Und dieses „Schicksal“, das auch bei kunsthistorischen Betrachtungen den Blick von der strikten Werkbedeutung abzulenken droht, überschattet auch hundert Jahre nach seinem Tod noch den ungetrübten Blick.

Eine Ausstellung, so wie sie jetzt die Holländer von einer Werbefirma, die…

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