Ausstellungen: Amsterdam , 1990

Vincent van Gogh: Ein zum Tode Verurteilter

Ausstellungen in Amsterdam und Otterlo

Zum hundertsten Todestag des Künstlers

Ein Bericht von Amine Haase

Ein zum Tode Verurteilter der Kunst: Vincent van Gogh, der wie kaum ein anderer Künstler zur Identifikation verlockt, zum Mitleid mit dem „artiste maudit“, dem Verdammten, zur Bewunderung für den Maler, der in wenigen Jahren fast 840 Bilder und über 1200 Zeichnungen schuf. Kurz vor seinem Tod schrieb er: „Und was meine Arbeit betrifft, nun, ich setze mein Leben dabei aufs Spiel. Mein Verstand ist schon zur Hälfte dabei draufgegangen.“ 133 Gemälde und 250 Arbeiten auf Papier – für neun Milliarden Gulden versichert – sind zum Gedächtnis an den hundertsten Todestag von Vincent van Gogh in Amsterdam und in Otterlo versammelt. Trotz des beeindruckenden Werkangebots droht der Künstler zu verschwinden – unter Publicity-Sprüchen („Die Sonnenblumen werden die Tulpen in den Schatten stellen.“) und unter Zahlenbergen (eineinhalb Millionen Besucher werden erwartet). Die Legende ist überlebensgroß, auch nach dem Tode noch. Und ein modernes Kunstmarketing weiß das zu nutzen. (Siehe den Kommentar „Armer Vincent“.)

So großartig der Werbeaufwand ist, mit dem die Ausstellungen zum hundertsten Todestag von Vincent van Gogh in den Niederlanden vermarktet werden, so wenig hat man sich offenbar über die Präsentation der Werke den Kopf zerbrochen. Die – immer noch – sehr farbkräftigen Bilder van Goghs sind in Amsterdam auf weiß-graue Wände gehängt, die stellenweise durch braun-beige „Verlängerungen“ ergänzt wurden: Eine denkbar unsensible Kombination, die alles Leuchten der Farben erstickt, zumal die Beleuchtung – Tages- plus Kunstlicht -, zumindest an einem Sonnentag,…

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