Titel: Aktuelles Denken , 1990

Gerhard Johann Lischka

Jean Baudrillard

J.B.: Das Wort Hyperrealität kommt von der Malerei her, von der Bewegung der Hyperrealisten aus Amerika. Im Sinne der Semiologie, der Vorstellung und dem Ende der Vorstellung, habe ich mich viel mit der Pop-art und dem Hyperrealismus beschäftigt. Hyperrealismus hat mir als Wort sehr gefallen, es war ein Aspekt von Science-fiction in dem Terminus. Die ganze Theorie hier ist fiktionell und der Ausdruck Hyperrealismus war eine gute Lösung für sie. Andy Warhol hatte dabei eine starke Anziehung für mich und gab ein gutes Modell ab; er scheint mir immer noch der beste in diesem Bereich des Hyperrealismus zu sein. Im Zusammenhang damit beschäftigen wir uns aber auch mit einer Theorie der Medien – alles beruhte auf einer Analyse der Medien -, und das wiederum hing mit McLuhan zusammen, den ich bereits entdeckt und gut studiert hatte. Ich war sehr McLuhanesk im Unterschied zum damaligen französischen Denken, das sehr anti-McLuhan war.

Mit diesen Medien gab es aber immer noch eine Aussicht auf Anti-Medien – was das auch sein möge – was über diese Medien hinausging. Und das waren die Graffiti. Einerseits also die Hyperrealität, die sehr mit dem Visuellen verknüpft ist, und andererseits eine Aussicht auf Transversalität. Da gab es noch einem Traum von der Alternative, es war die Zeit von der Subversion, und wir wollten diese ins Feld der Zeichen bringen. Das war eine fröhliche Epoche, auch in der Theorie: Es war schön!

Heute glaube ich nicht mehr an diese Subversivität der Zeichen, nicht mehr an Subversion. Wir wissen…

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