Gespräche mit Künstlern , 1990

Das Medium Maschine in einem italienischen Licht

EIN GESPRÄCH MIT DORIS VON DRATHEN

Er behauptet, ein naives Verhältnis zur Technik zu haben, in einem Videogerät so etwas wie ein Lebewesen zu sehen. Seinen Hund hat er Sony genannt – Fabrizio Plessi ist nicht ungeschickt, wenn es um Colaboration mit großen Firmen geht.

In seinen Videoskulpturen benutzt er das Medium, das auf Bewegung aus ist, als statische naturreproduzierende Bilder. Das ist nicht der einzige Widerspruch in diesen Arbeiten, die in allen Ausstellungen immer eine hohe Verführung haben durch ihre Sinnlichkeit, ihre ungezügelte Naturhaftigkeit, ihre Illusionskraft und ihre archaische Unmittelbarkeit.

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D.v.D.: Wenn man die Video-Installationen von Nam June Paik neben Ihren sieht (wie man auf der documenta 8 Gelegenheit hatte), versteht man erst, daß Sie eigentlich zur Arte Povera gehören, daß Sie so etwas sind wie, entschuldigen Sie, ein ausgeflippter Traditionalist. Warum überhaupt gehen Sie mit Technik um?

F.P.:Alles ist Technik. Wenn ein Künstler einen Bleistift in die Hand nimmt und eine Zeichnung macht, ist der Bleistift schon ein technisches Element. Ich denke, jeder Künstler hat gerade die Aufgabe, alle technischen Mittel zu benutzen, die er zur Verfügung hat. Ich habe zwar eine sehr traditionalistische Ausbildung, meine Laufbahn war zunächst sehr akademisches Zeichnen und sehr akademische Malerei, erst später, dann aber um so mehr, habe ich versucht, aus den üblichen ästhetischen Regeln auszusteigen, die Grenze zu überschreiten und neue Mittel zu finden, die für meine Ausdruckswelt richtig waren.

Wenn ich zum Beispiel mit einer Säge einen Fluß entzweiteilen wollte, wäre das gemalt eine hübsche erstaunliche Geste geworden, fotografiert…

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