Gespräche mit Künstlern , 1990

Sempre cercando piccole differenze

EIN GESPRÄCH MIT HEINZ SCHÜTZ

Das zentrale Thema Maurizio Nannuccis ist die Sprache, konkreter: das Aufscheinen der Bedeutung in der Sprachphysis. Dabei entfaltet er bereits in den frühesten Arbeiten eine künstlerische „Gebrauchstheorie“, die sich durchaus mit Wittgensteins später Sprachphilosophie in Einklang bringen ließe. Die Anfang der sechziger Jahren entstehenden Arbeiten können als Konkrete Poesie bezeichnet werden. Ihre Grundstruktur ist die über sich hinausweisende Tautologie. D.h., das Konkrete spiegelt sich zwar im Medium des Begriffes – etwa wenn das rot geschriebene Wort „rot“ auf rotem Grund erscheint -, doch eröffnet die Nichtidentität von Sprachphysis und Bedeutung die Idee eines beiden gemeinsamen Dritten als „einender“ Grund. Dem entsprechen durchaus die romantizistischen Bedeutungshöfe in Arbeiten wie „Star“ oder „Image du ciel“ bis hin zur Neonschrift „shipsthatpassinthenight“. In Analogie zu Intermedia und Fluxus in den sechziger Jahren bedient sich Nannucci der verschiedensten Gattungen und Medien wie Texte, Fotografie, Installation, Aktion, Buch, Video, Film, Tonband. Die erste Phase von Neonarbeiten setzt bereits 1967 ein – die Leuchtschriften beziehen sich selbstreflexiv auf Farbe oder den Ort ihrer Installation. In den gleichsam emblematischen Neonarbeiten, die seit Ende der siebziger Jahre entstehen, durchbricht Nannucci die methodologische Strenge und in sich zirkulierende Tautologie der früheren Arbeiten und eröffnet damit eine neue Sinndimension.

H.S.: Die letzten Jahre zeigt sich in der Kunst in postmodernistischer Atmosphäre ein neu erwachtes Interesse an Klassizismen. Damit kehrt ein Kunstparadigma wieder, von dem sich die Avantgarde einst abzustoßen begann. Auch Ihre Kunst steht zu Beginn während der sechziger Jahre in einem von der Avantgarde…

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