Gespräche mit Künstlern , 1990

Maschinenbauteile als Sprache

EIN GESPRÄCH MIT DORIS VON DRATHEN

Experimentelle Architektur ist in Europa noch wenig bekannt. Der experimentelle Architekt hat sich ganz bewußt von allen Realisierungszwängen losgesagt. Er zahlt seine Rechnung nicht, er setzt Ziele und verwirft sie gleich wieder, er erfüllt Benjamins Forderung, „immer radikal, niemals konsequent“, er erforscht mehr als er baut, beim Bauen entdeckt er unerwartete Ergebnisse, forscht weiter. Ken Kaplan und Ted Krueger haben sich leidenschaftlich zu dieser unabhängigen Architektur entschlossen und gehen neue Wege, um soziologisches Handeln und Architektur, um politische Verantwortung und Kunst zu verbinden.

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D.v.D.: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre Skulpturen aus Maschinenelementen zusammenzubauen; ist damit nicht eine erschreckend, abstoßende Komponente immer gleich mitangelegt?

T.K.: Maschinen sind für alle etwas Gewohntes. Wir wollten mit Wahrnehmungsgewohnheiten operieren. Wir bauen keine Maschinen, das ist wichtig, wir bauen Skulpturen, die man aus der Nähe anschauen und erfassen muß. Es sind ziemlich komplizierte Gebilde, zwar aus technischen Elementen zusammengesetzt, aber doch von der Anmutung weit entfernt von Maschinen.

Viele unserer Arbeiten haben sogar gar kein sichtbares technisches Element, wie etwa Bureau-Dicto, jenes Dach, aus dem tibetische Gesänge ertönen. Manchmal sind sehr kleine Maschinen eingebaut, um eine Kinetik zu ermöglichen. Andere technische Elemente können kulturelle Zusammenhänge zeigen, die meisten Zuschauer verstehen das ganz unmittelbar.

K.K.: Ganz zu Beginn unserer Arbeit nahmen wir an einer Gruppenausstellung teil und wurden in den übergreifenden Titel „Building Machines“ eingemeindet. Seitdem haben Ted und ich eine sehr genaue Position herausgearbeitet, die mit dem vermeintlichen Maschinenbauen eben gar nichts zu tun hat. Wir benutzen Maschinenbauteile als…

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